Das Ende des Hype – eine Chance für den 3D-Druck!?

Was ist denn eigentlich mit dem 3D-Druck? Vor einem halben Jahr noch explodierte das Thema, jede Woche wurde ein neuer Drucker vorgestellt oder zumindest angekündigt, in allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen war das Thema in den Medien. Zurzeit ist es erstaunlich ruhig um das Thema.

Die kurze Antwort lautet: Ein Medienhype hat eben nur eine kurze Lebensdauer, gegen Ukraine-, Syrien- und andere Krisen hat der 3D-Druck keine Chance, die Aufmerksamkeit der Medien zu fesseln. Die lange Antwort lautet: Gut so, jetzt ist wieder Ruhe eingekehrt und es kann weitergearbeitet werden.

IMG_0499Ein bisschen ist es wie eine Überraschungs-Geburtstagsparty: Plötzlich ist das ganze Haus voller Gäste, die sich nicht richtig auskennen, aber bestens amüsieren. Eine kurze Zeit lang werden Freundschaften geschlossen mit Menschen, an die man sich hinterher kaum erinnert. Der Gastgeber irrt etwas bedröppelt durch den Trubel und kann sich nicht entscheiden, ob er sich freuen soll wegen der vielen Menschen, die seinetwegen gekommen sind, oder ob er sich ärgern soll, weil er sich eigentlich einen gemütlichen Abend mit einem guten Buch machen wollte. Ebenso plötzlich sind die Gäste wieder weg, das Haus etwas derangiert, und der Gastgeber kann sich schließlich doch noch seinem Buch widmen.

Ebenso geht es Hypethemen: Für kurze Zeit in den Medien, alle möglichen Personen fühlen sich berufen, ihre Meinung zum Thema zu verkünden, auch wenn sie mit der Realität wenig zu tun hat, dann kehrt wieder Ruhe ein. An einem ähnlichen Punkt scheint der 3D-Druck angekommen zu sein. Nun entscheidet sich, wo die Reise hingeht.

Garner hat ein Hypekurven-Modell, auf dem das Analyseunternehmen aufkommende Technologien einordnet. Nach dem „Innovation Trigger“, in dem die Technologie sich entwickelt, kommt der „Peak of inflated Expectations – der echte Hype. Danach kommt die „Senke der Desillusionierung, die „Böschung der Erleuchtung“ und schließlich das Plateau der Produktivität, auf dem die Technologie in der Praxis angekommen ist.

Gartner sortiert das professionelle 3D Printing auf der „Böschung“ ein – die Technologie ist in der Praxis fast angekommen, hat aber noch keine allgemeine Verbreitung gefunden. Consumer 3D Printing ist dagegen auf dem Absturz in die Senke der Desillusionierung – fünf bis zehn Jahre Abstand zum Plateau sagt Gartner den preiswerten Druckern noch voraus.

Auf Hype folgt Desillusionierung, und manche Technologie verharrt in der Senke, ohne je in den Massenmarkt zu kommen. Eine große Konsolidierung und Marktbereinigung ist das Mindeste, das Technologien in dieser Senke bevorsteht. Ob die Idee, dass 3D-Drucker dieselbe Verbreitung auch beim „Normalverbraucher“ erreichen werden wie 2D-Drucker, jemals Realität wird, bleibt abzuwarten.

Nichtsdestotrotz hat der Hype geholfen, der 3D-Druck-Technologie und in dessen Kielwasser auch der CAD-Technologie zu etwas mehr Bekanntheit bei Nicht-Technikern zu verschaffen. Zudem brachte sie einigen bekannten Firmen mehr Aufmerksamkeit – und damit auch mehr Marktkapitalisierung, die hoffentlich die Entwicklung einfacher bedienbarer und nutzbarer Lösungen ermöglicht.

So hat der Hype doch etwas Gutes, er wirkt wie ein Katalysator, der bessere Technologien unterstützt und untaugliche Ideen schneller verschwinden lässt. Freuen wir uns darauf, den 3D-Druck für Profis und „Prosumenten“ auf der anderen Seite der Senke wiederzusehen!

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