PLM bis zum Ende denken

PLM – Product Lifecycle Management – bedeutet ja eigentlich, dass ein Produkt sozusagen von der Wiege bis zur Bahre, also von der Entwicklung bis zum Ende des Lebenszyklus des Produkts von der entsprechenden Software begleitet wird. Meist denkt man dabei jedoch eher an das Serienende als an das Nutzungsende des Produkts. Irgendwann rutscht das Produkt aus dem Aufmerksamkeitskreis der am PLM-Prozess Beteiligten heraus.

6101415124_d8e25360feDabei wird die Frage, was mit dem Produkt nach seinem Lebensende geschieht, immer wichtiger. Gesetzlich vorgeschriebene Recyclingquoten und Rückgabeverpflichtungen, aber auch schwindende Rohstoffressourcen, die die Wiedergewinnung von Stoffen immer interessanter machen, lassen dem Produkt auch nach seinem Lebensende große Bedeutung zuwachsen. Der Hersteller bekommt seine Produkte zurück und muss beziehungsweise will sie so effizient wie möglich zerlegen und die Grundstoffe wiederverwenden.

Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft ist die Antwort: Rohstoffe sollen möglichst zu 100 Prozent wiedergewonnen und gleichwertig wiederverwendet werden. „Thermisches Recycling“, ein beschönigender Ausdruck für das Verbrennen von Müll, ist keine Option, ebenso wenig das niederwertigere Verarbeiten von Plastikschrott zu Parkbänken.

Zugegeben, Verbrennen – und das Nutzen der dabei entstehenden Energie – ist immer noch besser als das Deponieren des Plastikmülls in gigantischen Strudeln in den Weltmeeren. Kreislauf bedeutet jedoch, dass die wiedergewonnenen Rohstoffe auf gleichem Niveau wiederverwendet werden. Es existiert eine ganze Reihe ähnlicher Konzepte, ob sie nun Cradle to Cradle oder Ökoeffektivität genannt werden – weltweit steigt das Bewusstsein dafür, dass mit den endlichen Ressourcen der Erde möglichst so umgegangen werden muss, dass sie nach der Nutzung wieder verwertbar sind.

Michael Braungart, einer der Autoren des Buchs „Cradle to Cradle“, hat einen interessanten Satz gesagt: „Die Natur produziert seit Jahrmillionen völlig uneffizient, aber effektiv. Ein Kirschbaum bringt tausende Blüten und Früchte hervor, ohne die Umwelt zu belasten. Im Gegenteil: Sobald sie zu Boden fallen, werden sie zu Nährstoffen für Tiere, Pflanzen und Boden in der Umgebung.“ Das ist eine ganz andere Betrachtung der Nachhaltigkeit als die üblicherweise verbreitete Ökoeffizienz, die auf Einsparungen und Verzicht abzielt. Doch der verlinkte Wikipedia-Artikel bringt es auf den Punkt: Was nützt es, den Benzinverbrauch von Autos zu halbieren, wenn sich im gleichen Zeitraum die Anzahl der Autos verdreifacht?

Um Rohstoffe „kreisen“ zu lassen, muss einerseits am Beginn des Lebenszyklus angesetzt werden – Produkte müssen sich mit möglichst wenig Aufwand in möglichst sortenreine Grundstoffe zerlegen lassen. Was nützt es, durch Verbrennen von Platinen das Gold auf den Kontakten zurückzugewinnen, wenn bei der Verbrennung giftigste Dämpfe entstehen?

Im weiteren Verlauf gilt es, die Informationen über Inhaltsstoffe – die optimalerweise in PTC Product Analytics gesammelt wurden – bis zum Ende des Produktlebenszyklus mitzuziehen, um dort entsprechende Informationen zum Zerlegen und Wiederverwenden nutzen zu können.

Doch auch der „mittlere“ Abschnitt des Lebenszyklus, also die Phase, in der das Produkt genutzt wird, ist ein wichtiger Bestandteil – üblicherweise übertrifft der ökologische Fußabdruck der Fertigung denjenigen der Nutzung an Größe bei weitem. Es ist also sinnvoll, Produkte so lange wie möglich zu nutzen und, wenn möglich, den aktuellen Stand der Technik nachzurüsten. Das gelingt mit Produkten, deren Funktionalität immer stärker auf Software basieren, natürlich einfacher als mit rein mechanischen Geräten: Nach der eben erläuterten Theorie wäre es sinnvoll, wenn wie alle Oldtimer fahren würden. Andererseits ist der Stand der Technik in Bezug auf Sicherheit und Umweltschädlichkeit weitaus höher als vor 40 Jahren, es macht aber keinen Sinn, in alte Autos neue Motoren einzubauen.

Smart Products haben also ein großes Potential für ressourcenschonende Nutzung: Man kann mit Updates die Geräte modernisieren und per IoT den Zustand des Produkts jederzeit überprüfen und gegebenenfalls Modernisierungs- oder Wartungsmaßnahmen ansetzen.

Die gute Nachricht ist: Es geht nicht um Verzicht, sondern um effektiven Rohstoffeinsatz – und damit ist die Zukunft zumindest in dieser Beziehung ein lösbares, technisches Problem. Das Bewusstsein dafür, Ökoeffektivität von vorn herein in Produkte einzuplanen, muss wachsen – die Werkzeuge dafür sind verfügbar.

 

 

 

 

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