Simulation – vom Handwerk zum Allgemeingut

Simulation Technology

Laut meinem alten Wörterbuch ist „Handwerk“ ein Beruf oder Gewerbe, für das Geschick oder künstlerisches Talent erforderlich ist.
So betrachten viele Menschen die Simulation: als Handwerk, das erlernt werden muss und das viele von uns nie beherrschen werden. Diese Sichtweise bewog viele Unternehmen dazu, CAE-Kompetenzzentren aufzubauen, in denen Analytiker mit großer Sorgfalt Modelle entwickeln und Netze so optimieren, dass sie wo nötig extrem fein sind, aber dennoch schnell aufgelöst werden können. Diese Experten interpretieren die Ergebnisse dieser Tätigkeiten auch für alle andere.

Das Problem dabei ist, dass diese Experten häufig nicht besonders gut mit dem Rest des Unternehmens vernetzt sind. Die Mitarbeiter in Marketing, Vertrieb, Service, Fertigung und technischer Entwicklung arbeiten gemeinsam daran, die Bedürfnisse des Kunden zu befriedigen. Unklar ist nur, wie Simulationsexperten in die Frühphase der Konstruktion oder Ideengewinnung passen.

In vielen Unternehmen ist das Simulationszentrum als Servicegruppe aufgestellt, die auf Abruf die CAE-Arbeiten für verschiedene Projekte übernimmt. Die Analytiker sind aber niemals wirklich Teil eines Projektteams. So können die Experten ihr Handwerk pflegen und ihre Talente für viele Projekte nutzbar machen. Für die Simulation am Ende des Konstruktionszyklus oder als Ersatz für zerstörende Tests ist diese Konstellation bestens geeignet. Wenn die Simulation allerdings Teil des Innovationsprozesses sein soll, ist sie nicht ideal. Wenn die Produktteams die Simulationsexperten erst buchen müssen, ist der Ablauf gehemmt und theoretische Experimente finden nur selten statt.

Doch gerade diese spontanen Simulationen, um etwas auszuprobieren, treiben die Innovation voran. Wenn ein Konzeptentwickler das Verhalten eines neuen Entwurfs schnell simulieren könnte, würde das doch zuverlässig sicherstellen, dass der Kunde und der Konstrukteur auf derselben Wellenlänge sind, nicht wahr? Und wenn ein Konstrukteur den After-Sales-Servicebedarf im Voraus wüsste, könnte das doch neue Geschäftschancen erschließen und den Kundensupport verbessern?

Simulation ist ein wichtiges Puzzleteil, wenn es darum geht, das richtige Produkt zur Marktreife zu führen und die Kosten-, Qualitäts-, Leistungs- und Lebensdauervorgaben zu erfüllen. Wird die Simulation als eine Art Geheimwissenschaft betrachtet, die nur einer ausgewählten Expertengruppe vorbehalten ist, welche vom eigentlichen Innovationsprozess ausgeschlossen ist, gehen all diese potenziellen Vorteile verloren. Ob sie nun von einem Experten seines Fachs oder von einem Konstrukteur durchgeführt wird, der eine mögliche Alternative ausloten möchte – mit jeder Simulation wird der Entwurf besser, wird Zeit gespart und Wissen gewonnen.

Dies wird nun auch den Unternehmen langsam bewusst. Zusätzlich zu den eigentlichen CAE-Experten suchen sie heute nach Konzeptentwicklern, die wenigstens grundlegende Simulationskenntnisse haben. Diese Unternehmen möchten die Ergebnisse von Simulationen auch anderen Abteilungen zugänglich machen, damit sie von jedem für Produktprüfungen genutzt werden können. Das wirkt sich auf alle Technologien, Abteilungen und Funktionen aus. Hier einige Empfehlungen:

  • Analytiker müssen ihre Ergebnisse Menschen mitteilen, die sich nicht mit der Kunst von Analysen auskennen. Informieren Sie sich daher über Postprocessing-Lösungen, die die Ergebnisse mithilfe von Diagrammen, Visualisierungen, Animationen und anderen Techniken verständlich aufbereiten. Simulationsexperten müssen anderen helfen, zu entscheiden, ob ein Entwurf akzeptabel ist oder geändert werden muss. Ein Berichterstellungs-Assistent ist für den Anfang nicht schlecht, allerdings muss er möglicherweise angepasst werden, um die Fähigkeiten anderer Teammitglieder zu berücksichtigen.
  • Kooperationspartner müssen anfangen, Simulationen als etwas zu betrachten, was sie verstehen können und müssen – vielleicht nicht in allen Details, aber doch wenigstens die Ergebnisse und genug von den Eingaben, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.
  • Interaktive Ergebnisse auf mobilen Geräten können das Verständnis erleichtern. Darum ist es durchaus sinnvoll, sich über die derzeit verfügbaren Remote-Postprocessing-Lösungen zu informieren. Die Anzeige der Ergebnisse auf Smartphones, Tablets und anderen Internet-fähigen Geräten macht die bislang vorherrschende Angst, dass das alles viel zu kompliziert sei, hinfällig. Entsprechende Viewer machen es möglich, eine Simulation von der CAE-Workstation in den Besprechungsraum, zum Kunden oder in die Fertigung „mitzunehmen“ und ihre Vorteile so auf noch breiterem Feld nutzbar zu machen. Sobald die größere Zielgruppe die Ergebnisse sieht, wird sie es mit großer Wahrscheinlichkeit selbst ausprobieren wollen.

Man muss kein Sternekoch sein, um eine köstliche Mahlzeit zuzubereiten. Aber ein Gericht, das von einem professionellen Koch zubereitet wurde, wird der Alltagskost bei weitem überlegen sein. Ähnlich verhält es sich bei der Kunst der handwerklichen Simulation: Diese ist für besonders schwierige, komplexe Fälle, die sich mit dem Standardprozedere nicht lösen lassen, auch weiterhin von Bedeutung. Und auch für Routinesimulationen gibt es einen Platz. Zusammenfassend möchte ich noch einmal betonen, dass Simulationen Innovation bewirken, insbesondere, wenn sie die abgeschotteten Labors verlassen und für ein breiteres Publikum zugänglich werden.

Anm. d. Red.: Wenn Sie mehr über die PTC Simulationslösungen erfahren möchten, besuchen Sie die Produktseite zu PTC Creo Simulate. Ein weiterer Beitrag von Monica Schnitger handelt davon, wie Ihr Unternehmen durch frühzeitige Simulationen der Konkurrenz ein Schnippchen schlagen kann.
Über die Autorin: Monica Schnitger ist Gründerin, President und Hauptanalystin der Schnitger Corporation. Seit 1999 entwickelt sie Industrieprognosen, Marktmodelle und -statistiken für den Softwaremarkt in den Bereichen CAD/CAM, CAE, PLM, GIS, Infrastruktur sowie Architektur, Technik, Bauwesen und Anlagenentwurf. Frau Schnitger hat zahlreiche Artikel zu diesen Themen verfasst und Vorträge für Technologieeinkäufer, Investoren und Entwickler gehalten. Zudem betreut sie Kunden jeder Größe in aller Welt.

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