Direkt oder parametrisch: Welche Konstruktionsmethode ist besser, um neue Aufträge zu gewinnen?

Da sitzen Sie nun am Konferenztisch, dem potenziellen Kunden gegenüber. Er lehnt sich zurück. Sie beugen sich vor. Fragen über Fragen füllen den Raum. Eine Ihrer Aufgaben ist es, diese mit Sicherheit zu beantworten, um den Interessenten das Gefühl zu geben, dass Ihr Unternehmen ihre Anforderungen perfekt erfüllen kann.
Dies ist eigentlich keine Situation, in der man eine CAD-Software erwarten würde. Doch immer häufiger werden Konstruktionstools in Verkaufsgesprächen genutzt, da die Vertriebsingenieure Mockups von Entwurfskandidaten erzeugen und Änderungswünsche des Kunden umsetzen müssen – natürlich alles in Echtzeit.

Welcher Modellierungsansatz ist für ein solches Szenario besser geeignet: direkt oder parametrisch? Um diese Frage geht es in diesem Blogbeitrag.

Direkt: Umsetzung ungeplanter Änderungen
Traditionell waren parametrische Modellierungsansätze für den technischen Vertrieb die einzige Option. Die meisten 3D-Modelle in der Detailkonstruktion wurden mit diesem Ansatz erstellt, sodass es kaum Möglichkeiten gab, sie auf andere Weise zu ändern. Das Problem ist, dass Änderungen, die Vertriebsingenieure an solchen Modellen vornehmen, zu Modellversagen führen können. Modelle mit einer großen Zahl von Features schlagen schnell fehl, insbesondere, wenn sie von jemandem geändert werden, der nicht an der ursprünglichen Konstruktion beteiligt war. Solche Fehler können im Verkaufsgespräch äußerst ungünstig sein.

Hier kann die direkte Modellierung günstiger sein. Für Änderungen, die mithilfe von direkten Methoden durchgeführt werden, gelten deutlich weniger Randbedingungen als bei der parametrischen Modellierung. Das liegt daran, dass Änderungen mit parametrischen Methoden auf die Features beschränkt sind, mit denen das 3D-Modell ursprünglich erstellt wurde. Mithilfe von direkten Modellierungsansätzen kann die Geometrie sehr einfach und unabhängig davon bearbeitet werden, mit welchen Features das Modell ursprünglich erstellt wurde. Darüber hinaus können Modellfehler nach direkten Änderungen nur bei falschen Geometrieberechnungen entstehen, nicht, wenn Features fehlschlagen.

Vertriebsingenieure können also mit direkten Methoden Änderungswünsche der Kunden einfacher umsetzen und müssen deutlich weniger Angst vor Modellversagen haben.

Parametrisch: Einhaltung von Konfigurationsregeln
Direkte Modellierungsansätze sind für Vertriebsingenieure also besser geeignet? Lassen Sie uns diese Entscheidung nicht überstürzen.

Ebenso wie im Konstruktionsprozess selbst können auch Vertriebsingenieure Änderungswünsche von Kunden nicht einfach ohne Einschränkungen übernehmen. Für den Entwurf gelten unter Umständen feste Anforderungen, die durch die technische Entwicklung, die Beschaffung, die Fertigung und andere Abteilungen festgelegt wurden und nicht geändert werden können. Die technische Entwicklung hat möglicherweise Dimensionierungsregeln definiert, um dem hohen Gewicht Rechnung zu tragen und katastrophale Fehler zu vermeiden. Die Beschaffung hat vielleicht die Verwendung von Pumpen bestimmter Hersteller für dieses Produkt untersagt. Die Fertigung lässt die Kombination bestimmter Komponenten in einer Baugruppe nicht zu, weil sie aus Materialien bestehen, die nicht miteinander verschweißt werden können. Solche Konstruktionsabsichten, ob aus der technischen Entwicklung oder aus anderen Abteilungen, können mit direkten Methoden nicht optimal in den Entwurf eingebettet werden. Ohne diese Anhaltspunkte kann es passieren, dass das Produkt der Vertriebsingenieure überhaupt nicht machbar oder aufgrund höherer Kosten nicht profitabel ist.

In dieser Situation sind parametrische Methoden für den technischen Vertrieb besser geeignet. Dieser Ansatz bietet leistungsfähige und intelligente Tools, mit denen sich derartige Konfigurationsregeln in das Modell einbetten lassen. In vielen Fällen lässt sich damit verhindern, dass Vertriebsingenieure etwas versprechen, was überhaupt nicht machbar ist oder das Geschäft absolut unrentabel macht.

Welche Methode ist nun also die beste?
Wäre es nicht schön, wenn es einen klaren und eindeutigen Gewinner zwischen diesen beiden Methoden gäbe? Nun, leider muss ich Sie enttäuschen: Für den technischen Vertrieb ist eine nuancierte Lösung erforderlich.

Aus meiner Sicht ist weder die direkte noch die parametrische Modellierung allein für den technischen Vertrieb ausreichend. Sie benötigen CAD-Anwendungen, die beide Ansätze unterstützen. Parametrische Methoden können genutzt werden, um ein Minimum an Konstruktionsabsicht in den Entwurf einzubetten und Katastrophen zu vermeiden. Mit direkten Methoden lassen sich vom Kunden gewünschte Änderungen umsetzen, wo dies angezeigt ist.

Das war meine Meinung. Was denken Sie? Halten Sie die parametrische Modellierung für die beste Lösung? Oder doch eher die direkte? Stimmen Sie mir zu, dass beide Methoden notwendig sind? Die Diskussion ist eröffnet. Schreiben Sie Ihren Standpunkt einfach in die Kommentare.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bis bald. Vielen Dank an alle Leser!

Anm. d. Red.: Auf der Produktseite zu PTC Creo Direct finden Sie weitere Informationen.
Die Veröffentlichung dieses Blogbeitrags durch PTC erfolgt in Lizenz. Die Konzepte, Ideen und Meinungen dieses Beitrags wurden von dem Branchenanalysten Chad Jackson von Lifecycle Insights unabhängig ausgearbeitet.

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Ein Kommentar

  1. Ertan
    Erstellt am Mai 26, 2014 um 9:30 vormittags | Permanent-Link

    Parametric approach will be useful in design changes but, if this parametric aproach embedded in direct software such as feauture recognation. This going to be the most powerful one. Nobody can say only parametric or only direct aproach is better than another. As a machine designer i want a software that permits rapid design changes with an ordinary system requirements. Other parametric softwares requires 16, 32 ram and i7 for crowded assemblies. But now i use CoCreate v17 easily, in thousands of parts with only my i7 4gb ram laptop. Speed is evreything for machine designers, and parametric approach does not have this

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