3D als Design-Medium

„Bis jemand das erste 3D-Modell erstellt, sind schon alle wichtigen Designentscheidungen getroffen.“

Ich erinnere mich noch genau, wann ich diesen Satz gehört habe. Es war vor etwa zwei Jahren bei einem Live-Webinar in einer Debatte zwischen vielen verschiedenen Softwareanbietern. Interessanterweise war es ausgerechnet ein Vice President of Product Management von einem dieser Softwareanbieter, von dem diese Worte stammen.

Das sprach natürlich nicht gerade für die modernen CAD-Anwendungen. Stattdessen zeigte es, wie viel bei dieser Art von Software noch zu tun war. Es verdeutlichte, dass 3D nicht als Medium für das Design genutzt werden konnte.

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[/one_third]In diesem Beitrag möchte ich die aktuelle Situation noch einmal beleuchten. Warum hört sich diese Aussage immer noch so wahr an? Trifft sie immer noch zu? Ich bin sicher, wir werden eine lebhafte Diskussion darüber haben. Auf geht’s.

Warum CAD keine Hilfe für das Design war
Als parametrisches, KE-basiertes CAD eingeführt wurde, war es perfekt für die Konstruktion. Jedenfalls dachte das jeder. Dank all der Parameter konnten Konstrukteure und Ingenieure jeden Entwurf in einen anderen umwandeln. Die Möglichkeiten schienen unbegrenzt.

Im Vergleich zu den damals üblichen booleschen CAD-Anwendungen war parametrisches, KE-basiertes CAD definitiv besser für die Konstruktion geeignet. Es lagen wirklich Welten dazwischen. Es war tatsächlich möglich, einen Entwurf zu ändern, das ist richtig. Allerdings zeigte sich bald die Realität.

Modelle aus zahlreichen Features wiesen schrecklich komplexe wechselseitige Abhängigkeiten auf. Eine falsche Aktion konnte das Modell zum Versagen bringen, sodass nur noch echte CAD-Experten das Chaos entwirren konnten. Die hässliche Wahrheit war, dass es nur dann, wenn man ganz genau wusste, wie man mit größter Sorgfalt nach und nach ein KE-basiertes Modell aufbaut, überhaupt möglich war, es halbwegs zu ändern. Das war der Stand bis vor etwa fünf Jahren.

Jetzt ist 3D bereit fürs Design. Aber sind wir es auch?
Vor etwa fünf Jahren durchlief die gesamte Industrie eine Revolution. Allerdings war es eine positive Revolution. Wer den Trend der direkten Modellierung in Bewegung gesetzt hat, darüber lässt sich streiten. Heute stimmen mir wohl alle zu, dass direkte Modellierungsansätze die Art und Weise, wie CAD genutzt wird, drastisch verändert haben.

Im Kontext von Designentscheidungen hat die direkte Modellierung Iterationen und Exploration in einem Ausmaß ermöglicht, wie sie mit parametrischem, KE-basiertem CAD nie möglich waren. Die Geometrie wird einfach ergriffen und in die gewünschte Form gedrückt und gezogen. Die Einschränkungen für mögliche Konstruktionsänderungen entfallen, wenn die Geometrie berechnet werden kann statt die Randbedingungen von Feature-Beziehungen. Und das ist positiv zu bewerten. Insgesamt gesehen kann CAD heute wirklich als echtes Designwerkzeug genutzt werden, wie es nie zuvor möglich war. Endlich ist 3D als echtes Design-Medium nutzbar.

Allerdings haben wir während der technischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte erfahren müssen, dass es manchmal nicht nur um die Technik geht. Wir haben unsere Routinen. Wir haben unsere Prozesse. Nur weil etwas technisch möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch bereitwillig gemacht wird.

Ich will es noch genauer sagen: Viele Organisationen nutzen CAD auch heute noch als Dokumentationswerkzeug, nicht für das Design. Das wird vielleicht nicht allen in der Industrie gefallen, doch ich finde, man sollte dies auch als Chance sehen. Das Iterieren und Erkunden von Entwürfen mit direkten CAD-Modellierungsmethoden hat das Potenzial, bessere Produkte zu entwickeln. Die Tatsache, dass viele Organisationen diese Technologie nicht nutzen, ist für Sie die Chance, Ihre Konkurrenz zu übertrumpfen.

Erzählen Sie es nicht weiter, aber das ist ein echter Wettbewerbsvorteil.

Wiederholung und Fragen
Es stimmt. Vor mehr als fünf Jahren waren CAD-Applikationen nichts anderes als Dokumentationswerkzeuge, keine Design-Tools. Doch durch die Einbindung von direkten Modellierungsmethoden ist CAD mittlerweile ein echtes Werkzeug, das mehr Exploration und Iteration ermöglicht. Letztendlich entstehen dadurch bessere Produkte. Viele Organisationen haben diese Entwicklung verpasst. Sie nutzen CAD auch heute noch für die Dokumentation. Ich empfehle diesen Firmen, die Chance zu ergreifen und sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Also gut, das war meine Meinung. Ich hoffe, Sie fanden meine Ausführungen interessant. Was denken Sie? Ich möchte gerne wissen, wie viele von Ihnen mittlerweile bereits CAD für das Design nutzen. Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bis bald. Vielen Dank an alle Leser!

Die Veröffentlichung dieses Blogbeitrags durch PTC erfolgt in Lizenz. Die Konzepte, Ideen und Meinungen dieses Beitrags wurden von dem Branchenanalysten Chad Jackson von Lifecycle Insights unabhängig ausgearbeitet.

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