Das Internet of Things zeigt Konstrukteuren die Realität

Ein Zitat von Jim Heppelmann, das ich in der letzten Woche auf der PTC Live Global aufgeschnappt habe, beschäftigte mich: „Konstrukteure entwickeln ihre Produkte anhand von Annahmen über die Realität. Und sie sind sehr gut darin, die späteren Einsatzbedingungen der von ihnen konstruierten Produkte vorherzusehen.“ Das hört sich auf den ersten Blick schräg an – wir sind ja eher bodenständig und stehen der Hellseherei eher kritisch gegenüber – aber es trifft tatsächlich einen interessanten Punkt: Der Konstrukteur hat normalerweise keinen Zugriff auf sein Produkt, wenn es erst einmal die eigenen Fertigungshallen verlassen hat.

Wie sich das Produkt in der „echten Welt“ schlägt, erfährt der Konstrukteur oft erst bei groben Fehlern, also wenn die Kunden reklamieren. Kleinere Unzulänglichkeiten, die den Anwender nerven, aber eben nicht genug stören, um sich zu beschweren, fallen dabei nicht auf – allerdings wird sich der Käufer beim nächsten Kauf eventuell für ein anderes Produkt entscheiden. Dabei wäre die Unzulänglichkeit vielleicht sehr einfach zu beseitigen.

Oder eine Schwachstelle holt den Hersteller spät, aber geballt ein, beispielsweise, wenn das unterdimensionierte Teil erst nach einiger Zeit versagt – wenn schon eine große Zahl der Geräte ausgeliefert ist. Kostspielige Rückrufaktionen und vielfache Nachbesserungen sind die Folge. Würde die Schwachstelle früh auffallen, könnte man die laufende Fertigung umstellen und die bereits ausgelieferten Geräte im Zuge geplanter Wartungen aufrüsten.

Heppelmann nannte es das „Dark Side Of The Moon-Problem“: Bei der Umkreisung des Mondes ist ein Raumschiff nicht erreichbar, wenn es von der Erde gesehen hinter dem Mond verschwunden ist. Ähnlich geht es Firmen mit ihren Produkten. Im Falle teurer Investitionsgüter – etwa einer Turbine in einem Wasserkraftwerk oder einer Großpresse – kann es sein, dass der Kunde erst nach Jahren oder gar Jahrzehnten wieder an den Hersteller herantritt, um beispielsweise ein Retrofit anzufragen. Bis dahin ist es dem Hersteller, unbekannt, ob und vor allem wie das Produkt seine Aufgabe erfüllt – problemlos oder nur mit wilden Tricks auf Seiten des Bedieners? Effizient oder unzuverlässig?

Das Internet der Dinge wird ja gerne als Ansammlung sprechender Kühlschränke und Thermostaten verstanden – dabei sind die Auswirkungen auf die Welt der Maschinen und professionell eingesetzten Produkte wesentlich größer. Macht ein 24-Stunden-Monitoring bei einem privat genutzten Kühlschrank nur bedingt Sinn, so sieht dies bei der Kühlhalle einer Großschlachterei schon anders aus. In Zukunft werden zum einen Anlagen, Maschinen und Geräte in der Lage sein, ihren Status selbständig zu melden, zum anderen werden Produkte zu Dienstleistungen umgewandelt. So berichtete Joe Bergman von Ingersoll Rand über das Kompressorgeschäft seines Unternehmens. Dabei geht es um riesige Kompressoren, die Luft für ganze Fertigungskomplexe liefern. Immer öfter verkauft Ingersoll Rand keinen Kompressor, sondern geht einen Liefervertrag über eine bestimmte Luftmenge mit einem bestimmten Druck ein. Die Kunden kaufen nicht das Produkt, sondern die Luft – die sie ja auch in Wirklichkeit brauchen – wer kauft schon einen Kompressor um seiner selbst willen?

Da Ingersoll nun nicht in jedem Unternehmen einen Mitarbeiter für die Beaufsichtigung des Kompressors abstellen kann, müssen diese Geräte dem Hersteller ständig ihren Status melden und vor allem bei Problemen möglichst frühzeitig warnen. Bergman nannte noch einen zweiten Grund, warum eine saubere Rückmeldung – und übrigens auch eine gute Service-Organisation – sehr notwendig ist: Das Unternehmen hat eine altgediente, extrem gut eingearbeitete Truppe von Wartungstechnikern – die innerhalb der nächsten 18 Monate geschlossen in Rente geht. Die nachfolgenden Kräfte haben bei weitem nicht das Wissen dieser bisherigen Mitarbeiter und müssen deshalb aus dem Werk heraus weit besser unterstützt werden.

Das Internet der Dinge ermöglicht all dies: Überwachung, Steuerung, Optimierung und Automatisierung. Nicht nur aus betriebswirtschaftlichen Gründen – um Anschaffungskosten zu monatlichen Servicekosten zu machen – sondern auch, um die Arbeit zu erleichtern und Informationen besser fließen zu lassen ist es notwendig, Geräte, Maschinen und Anlagen mit Intelligenz, Sensoren und Kommunikationsmöglichkeiten auszustatten. PTC hat mit ThingWorx ein Unternehmen im Portfolio, das die Infrastruktur und Architektur für die Applikationen bietet, die das Internet der Dinge erst zum Leben erwecken.

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