Multi-CAD näher betrachtet

Multi-CAD. Multi-CAD. Multi-CAD. Der Begriff ist in aller Munde. In Webinars geht es darum. Bei Benutzerkonferenzen wird das Thema behandelt. Viele eBooks drehen sich um das Thema. Doch je mehr ich die Diskussionen über Multi-CAD verfolge, umso mehr frage ich mich, ob wirklich alle dasselbe meinen. Multi-CAD hat viele Facetten.

Heute möchte ich sie alle einmal näher betrachten. In diesem Beitrag erwarten Sie Definitionen der unterschiedlichen Aspekte von Multi-CAD. Außerdem lernen Sie die Vorteile der jüngsten technologischen Fortschritte und ihre Bedeutung für Unternehmen kennen.

Interoperabilität von Multi-CAD-Teilen
Was ist das? Interoperabilität von Multi-CAD-Teilen heißt im Prinzip nichts anderes, als dass ein Teilemodell, das in einer anderen CAD-Anwendung erstellt worden ist, geöffnet werden kann. Viele Jahre lang wurden hierfür neutrale Formate wie STEP und IGES genutzt. Diese Vorgehensweise war aufgrund der unterschiedlichen Geometrie-Kernel der verschiedenen CAD-Anwendungen allerdings oft unsauber. Heute aber können Teilemodelle aus anderen CAD-Anwendungen in ihrem nativen Format geöffnet werden. Dadurch wird der Zeitaufwand für das Korrigieren von beschädigter Geometrie nach dem Import deutlich verringert.

Wofür soll das gut sein? Damit Sie nachfolgende Aufgaben und Dokumente wie 2D-Zeichnungen oder NC-Werkzeugwege anhand des Teils erzeugen können.

Welche Vorteile hat das? Die Ergebnisse meiner 3D Collaboration and Interoperability Study 2013 zeigen, dass 49 % der heutigen Ingenieure mindestens vier Stunden pro Woche für die Korrektur von importierter Geometrie aufwenden. Dieser Fortschritt verspricht einen sauberen Import der Geometrie und damit eine erhebliche Verringerung dieser vergeudeten Zeit.

Multi-CAD-Baugruppen
Was ist das? Wenn Zulieferer unterschiedliche Teile eines Produkts entwickeln, ist es ganz normal, dass die Entwürfe am Ende in unterschiedlichen CAD-Formaten vorliegen. Die Aufgabe, all diese Einzelteile zusammenzuführen, liegt beim Produkthersteller.

In der Vergangenheit gab es zwei Möglichkeiten, dieses Problem zu lösen. Die Benutzer importierten Modelle über neutrale Formate in das CAD-System, korrigierten die Geometrie und erstellten dann die Multi-CAD-Baugruppe. Alternativ konnten die Teile mithilfe von 3D-Visualisierungstools zusammengebaut werden, mit denen Modelle in mehreren CAD-Formaten geöffnet werden können.

Wofür soll das gut sein? Virtuelle Prototypen sollen Probleme wie Durchdringungen und Leistungsprobleme schon im CAD-Modell und nicht erst im Versuchslabor aufdecken. Dadurch sollen erhebliche Zeitersparnisse und Einsparungen für den Bau von Prototypen erreicht werden.

Welche Vorteile hat das? Dieser Schritt findet so oder so statt. Es geht nur darum, wie viel Zeit das Unternehmen für die Behebung von nicht konstruktionsbedingten Problemen aufwendet.
Das Erstellen von Baugruppen aus Modellen in neutralen Formaten war stets äußerst zeitaufwendig. Mit 3D-Visualisierungstools ließ sich die Aufgabe vereinfachen. Doch die traditionellen CAD-Funktionen wie das Durchführen von Simulationen sind mit 3D-Visualisierungstools nicht möglich.

Darüber hinaus können Baugruppensimulationen unter Umständen nur als angenehme Zugabe betrachtet werden. Wenn Probleme die Durchführung dieser Simulationen verhindern, kann man darauf verzichten.

Multi-CAD-Datenmanagement
Was ist das? Produkthersteller arbeiten heute oft mit zahlreichen Zulieferern zusammen, die jeweils verschiedene Teile für einen Entwurf liefern. Traditionell wurden PDM-Systeme (Produktdatenmanagement) für die Verwaltung von Konstruktionsdaten in einem einzigen Format verwendet. Multi-CAD-Datenmanagement bedeutet, dass Produktdatenmanagement (PDM) für Konstruktionsdaten in jedem beliebigen Format verwendet wird.

Wofür soll das gut sein? Produkthersteller möchten nicht nur den Entwurf im fertigen Zustand sehen, sondern auch Snapshots der Zwischenstufen. In manchen Branchen ist dies sogar zwingend vorgeschrieben. Darüber hinaus enthalten CAD-Modelle heute Informationen zu Materialien, Teilenummern, Erstellern usw. Diese Informationen müssen häufig in Stücklisten übernommen werden. Das Extrahieren dieser Informationen aus CAD-Modellen ist eine weitere wichtige Funktion von PDM-Systemen.

Welche Vorteile hat das? Durch Multi-CAD-Datenmanagement lässt sich eine von zwei unangenehmen Möglichkeiten vermeiden.
Bei der ersten werden Modelle in anderen CAD-Formaten einfach als Dateien im PDM-Format verwaltet. Die in sie eingebetteten Informationen werden nicht extrahiert und stehen daher in Stücklisten nicht zur Verfügung. Die Benutzer müssen die Informationen dann manuell in Tabellen kopieren.

Bei der zweiten Möglichkeiten implementiert das Unternehmen mehrere PDM-Systeme: eines für jedes bedeutende CAD-Format, das häufig in seinen Entwürfen vorkommt. Damit können sie die korrekten Informationen aus diesen Modellen extrahieren. Allerdings gibt es keine produktübergreifende zentrale Datenquelle.

Multi-CAD-Datenmanagement ermöglicht die Verwendung eines PDM-Systems für alle CAD-Formate.

Zusammenfassung und Fragen

  • Interoperabilität von Multi-CAD-Teilen heißt im Prinzip nichts anderes, als dass ein Teil, das in einer anderen CAD-Anwendung erstellt worden ist, geöffnet werden kann. In progressiven CAD-Tools ist dies nativ möglich statt über den Umweg über neutrale Formate.
  • Multi-CAD-Baugruppen werden aus Modellen zusammengesetzt, die in vielen verschiedenen CAD-Formaten erstellt wurden. Auch dies wird von progressiven CAD-Tools nativ unterstützt.
  • Beim Multi-CAD-Datenmanagement werden alle Konstruktionsdaten, unabhängig von ihrem CAD-Format, in ein und demselben PDM-System verwaltet.

Gibt es noch andere Multi-CAD-Aspekte, die zu berücksichtigen sind? Welcher Aspekt der Multi-CAD-Konstruktion bietet den größten Nutzen? In welchem Bereich besteht noch der größte Entwicklungsbedarf? Damit sind wir am Ende unseres Artikels. Teilen Sie uns bitte Ihre Meinung mit!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bis bald. Mit freundlichen Grüßen

Anm. d. Red.: Weitere Informationen zum Management einer Multi-CAD-Umgebung finden Sie im PTC Multi-CAD-Ressourcencenter. Weitere Informationen zum Produktdatenmanagement finden sie im PTC PDM-Ressourcencenter.
Die Veröffentlichung dieses Blogbeitrags durch PTC erfolgt in Lizenz. Die Konzepte, Ideen und Meinungen dieses Beitrags wurden von dem Branchenanalysten Chad Jackson von Lifecycle Insights unabhängig ausgearbeitet. 2013-2014 © LC Insights LLC

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