Arbeitsplatzwunder oder Arbeitsplatzkiller?

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Die digitale Revolution kommt nicht, sie läuft schon, und sie ist unaufhaltsam. Doch was bedeuten Digitalisierung, Vernetzung, „App-isierung“ und das Internet der Dinge für den Arbeitsmarkt? Das fragt sich auch „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. Als Beispiele für positive Entwicklungen werden in dem Artikel wie so oft selbständige Blogger und Internetfirmen präsentiert, die bezeugen sollen, dass das Internet völlig neue Arbeitsplatzmodelle schafft. Doch es gibt auch andere Stimmen: 75 Prozent Arbeitslosigkeit durch den digitalen Fortschritt bis Ende des Jahrhunderts prognostizieren englische Forscher.

140311_SLMWer hat Recht? Wahrscheinlich liegt die Wahrheit in der Mitte. Digitalisierung bringt mehr Produktivität und Computer ersetzen Menschen, auf der anderen Seite entstehen neue Jobs. Das größte Problem und der Unterschied zu früheren Umwälzungen dieser Art ist die Geschwindigkeit der digitalen Revolution. Firmen, die vor wenigen Jahren noch Milliarden wert waren, sind mehr oder weniger spurlos verschwunden. So schnell wie dadurch Jobs verschwinden, indem ganze Branchen aussterben oder herbe Umsatzrückgänge erleiden, können neue Geschäftsmodelle keine neuen Jobs erzeugen.

Ein wenig beachteter Gesichtspunkt ist die Qualifikation der Jobs: Die meisten neuen Jobs erfordern großes Wissen und Spezialkenntnisse, wohingegen einfache Jobs wegfallen. Nun kann oder will nicht jeder studieren oder lebenslang lernen, zudem ist es in manchen Bereichen kaum mehr möglich, dem Fortschritt zu folgen und alle Feinheiten jedes Produkts zu kennen. So entsteht ein doppelter Druck auf Geringqualifizierte: Zum einen werden ihre Jobs schneller durch Computerprogramme und Automatisierung ersetzt, zum anderen sind sie für die neu entstehenden Jobs eben zu gering qualifiziert. Interessanterweise frisst die digitale Revolution inzwischen jedoch auch höher qualifizierte Jobs; so sind Diagnoseprogramme sind im Testbetrieb, Lehrer werden von interaktiven Anwendungen ersetzt.

Auf der anderen Seite wurde schon in den 1950er Jahren die „mannlose Fabrik“ propagiert, und was aus dem „papierlosen Büro“ geworden ist, wissen wir alle. Prognosen kranken immer daran, dass sie nur den heutigen Status Quo in die Zukunft verlängern, disruptive Entwicklungen lassen sich nicht vorhersagen. So sind beispielsweise verschiedene Arbeitsmodelle, die auf der Digitalisierung basieren, schlicht Fortentwicklungen aktueller und langjähriger Trends: Die Verdichtung der Arbeit gibt es schon seit Beginn der Industrialisierung, aber mit der dauernden Erreichbarkeit und mobilem Zugriff auf Firmensysteme hat sich diese Verdichtung massiv beschleunigt. Homearbeitsplätze scheinen manchmal nur eine Möglichkeit zu sein, die Kosten für Büroflächen und -einrichtung zu senken.

Wer hätte dagegen gedacht, dass sich Reise- oder andere Spezialblogger von dieser Tätigkeit ernähren können – hier sind echte neue Arbeitsmodelle entstanden. Ein Gegenstück in der Industrie ist die Umstellung vom Vertrieb von Produkten zu Dienstleistungen – es sei an die vielbesprochenen Flugzeugturbinen erinnert, die nicht mehr vertrieben werden; stattdessen verkauft der Triebwerkshersteller Betriebsstunden und übernimmt das gesamte Handling und die Wartung.

Service wird dabei, wie schon vor einigen Wochen erwähnt, einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Dabei kommt mit SLM und der durchgängigen Nutzung von 3D-Daten eine interessante Neuerung: Aktuell ist die Wartung komplexer Produkte ein echter Spezialistenjob, die Mitarbeiter müssen sich mit Mechanik, Elektronik und Software der Produkte auskennen und dabei die Besonderheiten und Wechselwirkungen der immer zahlreicher werdenden Varianten verstehen und kennen. Wenn jedoch Servicekräfte und Wartungspersonal per Augmented Reality, intelligente Produkte und anschauliche 3D-Daten in die Lage versetzt werden, auch ohne langjährige Erfahrung ihre Arbeit zu machen, braucht es nicht mehr für jeden Arbeitsgang einen Spezialisten. Wiederkehrende Standardwartungen können dann auch von geringer qualifizierten Kollegen abgewickelt werden, die Diagnose von Fehlern und Defekten ist dagegen wieder eine Spezialistenaufgabe. Letztere können sich dann wieder auf diese komplexen Abschnitte ihrer Tätigkeit konzentrieren.

Zudem bedeutet Spezialisierung immer auch eine Einengung des Arbeitsgebiets, was es wiederum schwieriger macht, den auf seinem Gebiet oder bei bestimmten Maschinen sehr kenntnisreichen Mitarbeiter flexibel in anderen Szenarien einzusetzen. SLM bietet die Möglichkeit, Spezialwissen im PLM- beziehungsweise SLM-System zu sammeln und allen zur Verfügung zu stellen, die es benötigen. Menschen können viel flexibler und damit umfassender eingesetzt werden. Das bietet zum einen Geringqualifizierten neue Jobmöglichkeiten, zum anderen werden die Spezialisten entlastet.

Eine Grundvoraussetzung dazu sind SLM, also die optimale Organisation der Wartung, aber auch die Einbindung des IoT, des Internet der Dinge, über das eine Maschine melden kann, welche Teile ausgetauscht werden müssen. Bekommt der Servicemitarbeiter genau die passenden Ersatzteile mit, braucht er nicht zu diagnostizieren, sondern nur auszutauschen. Weitere Informationen finden Sie in diesem eBook.

 

 

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