Neues CAD-System? Fünf Fragen, die Sie sich stellen sollten

Monica Schnitger

Der Beginn eines neuen Jahres bedeutet oft neue Budgets, neue Projekte und in manchen Unternehmen auch eine Prüfung der IT-Investitionsstrategien. Ist es sinnvoll, weiter für Wartungsverträge für die derzeitige CAD-Lösung zu bezahlen, oder ist es an der Zeit, über eine neue Lösung nachzudenken? Die Entscheidung über die Weiterverwendung des aktuellen CAD-Systems oder den Wechsel zu einer anderen Lösung ist nie einfach.

Atmen Sie zunächst einmal tief durch. Was auch immer Sie jetzt tun, es ist niemals falsch. Vielleicht ist das System nicht perfekt, aber es tut, was es tun muss. Es spricht Einiges dafür, den Status quo beizubehalten: Das System ist stabil, vertraut und bietet Ihnen die Möglichkeit, gemeinsam mit Ihrem Anbieter und den vorhandenen Leistungsmerkmalen zu wachsen. Andererseits kann eine andere Lösung Ihnen neue Funktionen, eine höhere Produktivität (zumindest nach der Einarbeitung) und den Zugang zu neuen Ökosystemen erschließen.

Woher wissen Sie, welche Entscheidung für Sie die richtige ist? Über dieses Thema wurden schon ganze Abhandlungen geschrieben, doch es gibt einige wichtige Fragen zu bedenken:

1. Welche Möglichkeiten, die für Ihr Unternehmen wirklich wichtig wären, bietet Ihnen die aktuelle Konfiguration nicht? Wenn Sie als Auftragsfertiger Ihre CAD/CAM-Lösung durch eine Lösung ersetzen, die sich vor allem durch hervorragende Konzeptmodellierung auszeichnet, ist das den Aufwand wahrscheinlich nicht wert. Wenn Sie Ihren Kunden auch Finite-Elemente-Analysen anbieten möchten, kann ein CAD/CAM/CAE-Paket ein wunderbarer Ausgangspunkt sein. Lassen Sie sich von einer attraktiven neuen Lösung nicht blenden und zu einer schlechten Geschäftsentscheidung verführen.

2. Auf wie viele Altdaten sind Sie angewiesen? Wie häufig verwenden Sie alte Modelle oder Baugruppen? Wahrscheinlich haben Sie über viele Jahre hin Teile und Baugruppen angesammelt, die Sie noch für neue Entwürfe benötigen. Achten Sie darauf, dass diese Modelle in einer eventuellen neuen CAD-Lösung gelesen oder zumindest referenziert werden können. Überlegen Sie auch, ob die direkte Modellierung von Vorteil sein könnte. Möglicherweise können sie damit vorhandene 3D-Modelle auch ohne ihre Verlaufsstruktur ändern. Altdaten sind äußerst wertvoll. Wenn Sie sie bei der Modellierung eines neuen Teils jedes Mal neu erstellen müssen, ist dies unnötige Zeitverschwendung.

3. Wie offen ist Ihr Team für Schulungen? Jede Veränderung ist beängstigend, besonders, wenn Ihr Team beim Wechsel von einem CAD-Produkt zu einem anderen seinen Expertenstatus verliert. Es kann bis zu sechs Monate dauern, bis ein Entwickler eine neue CAD-Lösung wirklich beherrscht, selbst wenn er bereits mit ähnlichen Produkten gearbeitet hat. Wenn dabei die Komplexität erhöht wird, beispielsweise beim Umstieg von 2D auf 3D, dauert die Einarbeitung sogar noch länger. Online-Lernprogramme und Menüzuordnungen können den Einstieg erleichtern. Möglicherweise müssen Sie das alte und das neue CAD-System eine Weile parallel verwenden, bis jeder mit der neuen Lösung vertraut ist und produktiv damit arbeiten kann.

4. Was ist mit dem Rest Ihres Ökosystems? Niemand arbeitet für sich allein. Wenn Sie regelmäßig mit Teams arbeiten, die das Produkt X verwenden, Sie aber Produkt Y nutzen, kann es sinnvoll sein, wenigstens einige Arbeitsplätze von Produkt X anzuschaffen, um das ständige Konvertieren von Teilen zu umgehen. Wenn Sie auf diese Lieferkette angewiesen sind, könnten Sie sogar darüber nachdenken, komplett auf Produkt X umzustellen. Aber denken Sie daran, dass eine Multi-CAD-Installation mehr Schulungen und einen höheren Administrationsaufwand bedeutet als ein einzelnes CAD-System.

5. Wer bietet den Support und die Schulungen, die Sie für Ihre Ziele benötigen? Räumliche Nähe kann einen wichtigen Unterschied machen. Wenn Sie eine gute Arbeitsbeziehung zu einem Hersteller oder Händler in Ihrer Nähe pflegen und dieser Ihnen bei Problemen schnell hilft und speziell auf Ihre Anforderungen zugeschnittene Schulungen anbietet, sollten Sie überlegen, ob Sie mit seiner Unterstützung auch neue Fähigkeiten mit der vorhandenen Installation aufbauen könnten.

Während Sie über all diese Fragen nachdenken, sollten Sie auf jeden Fall zunächst auf die aktuelle Version Ihrer derzeitigen CAD-Lösung aktualisieren. Machen Sie sich mit den Leistungsmerkmalen vertraut, die seit der letzten Evaluierung hinzugekommen sind. Die meisten Menschen bemerken nur eine oder zwei Neuerungen pro Version und ignorieren die übrigen einfach. CAD-Anbieter haben in puncto Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Vielleicht erfüllt Ihr aktueller Anbieter mittlerweile nahezu alle Ihre Anforderungen.

Möglicherweise können Sie einzelne Lücken auch mit Einzellösungen schließen. Wenn Sie beispielsweise eine Konzeptentwicklungslösung benötigen, kann eine spezielle Anwendung diese Aufgabe vielleicht gezielt übernehmen, ohne dass Sie die ganze CAD-Installation ersetzen müssen?

Manchmal ist der Wechsel zu einer neuen CAD-Lösung die beste Lösung. Planen Sie in diesem Fall gemeinsam mit Ihrem Vertriebspartner oder CAD-Anbieter den Übergang. Dessen Erfahrung wird Ihnen helfen, die Schulungen und das Rollout so aufzusetzen, dass Ihre Arbeit während der Umstellung nicht beeinträchtigt wird. Planen Sie für Schulungen, Vorbereitungen und Aktivitäten wie Teilekonvertierung und Prozessänderungen ausreichend Zeit ein. Erwarten Sie nicht zu viel in zu kurzer Zeit.

Und schließlich: Bedenken Sie, dass die CAD-Lösung für sich allein nicht die Antwort auf jedes Problem ist – genauso wenig wie der Kauf des neuesten Diätratgebers Ihre Neujahrsvorsätze von selbst wahr werden lässt. CAD ist ein Tool, und eine erfolgreiche Implementierung ist das Ergebnis der richtigen Technologie und der entsprechenden Prozesse.

Anm. d. Red.: Wenn Sie die Konsolidierung mehrerer CAD-Systeme in Betracht ziehen, besuchen Sie das PTC Ressourcencenter zu Herausforderungen bei der Multi-CAD-Konstruktion.
Über die Autorin: Monica Schnitger ist Gründerin, President und Hauptanalystin der Schnitger Corporation. Seit 1999 entwickelt sie Industrieprognosen, Marktmodelle und -statistiken für den Softwaremarkt in den Bereichen CAD/CAM, CAE, PLM, GIS, Infrastruktur sowie Architektur, Technik, Bauwesen und Anlagenentwurf. Frau Schnitger hat zahlreiche Artikel zu diesen Themen verfasst und Vorträge für Technologieeinkäufer, Investoren und Entwickler gehalten. Zudem betreut sie Kunden jeder Größe in aller Welt.

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