Flexible Produkte heben ab

Vor einigen Tagen ging es durch die Presse: Die NASA wird im Herbst den ersten 3D-Drucker ins All schicken, um die Eignung der Additiven Fertigung im Weltall zu testen. Angesichts des Hypes um diese Technologien war dieser Schritt zu erwarten, gleichzeitig ist es ein cleverer Schritt. Derzeit kostet es laut Wikipedia zwischen 20.000 und 80.000 Dollar, ein Kilo Material ins All zu bringen. Da ist es unsinnig, viele Kilogramm vorgefertigter Werkzeuge und Geräte hochzuschießen, um dann „oben“ festzustellen, dass man sie gar nicht benötigt. Weltraummissionen sind aus diesem Grund extrem unflexibel und von vornherein durchgeplant.

Der erste 3D-Drucker im Weltall (Bild: Made in Space).

Der erste 3D-Drucker im Weltall (Bild: Made in Space).

Wenn es möglich wäre, Rohmaterialien ins All zu schießen und erst dort genau die Produkte zu fertigen, die man benötigt, würde man nicht nur Flexibilität gewinnen, sondern auch den Materialtransport wesentlich effizienter machen – denn nicht nur das Gewicht, sondern auch der Platz ist kostbar bei Raumflügen. Ein Sack Metallpulver ist nun einmal besser zu verstauen als ein fertiges Werkzeug.

Sind diese Flexibilität und Effizienz bei Transporten in die Umlaufbahn – beispielsweise zur ISS – einfach nur praktisch und kostengünstig, werden sie bei längeren Expeditionen, beispielsweise zur Besiedelung des Mondes oder zum Mars, lebenswichtig. Die Herausforderungen solcher Unternehmungen lassen sich gar nicht seriös bis ins Letzte vorhersehen und mit entsprechender Ausrüstung angehen. Viel sinnvoller als jede Eventualität abzudecken wäre eine „Maker“-Expedition: Man sichert die Überfahrt auf den Mars und eine gewisse Überlebensdauer sowie die vorhersehbaren Dinge – Nahrung, Atemluft und ähnliches – ab und rüstet die Mannschaft mit Kenntnissen und Werkzeugen – Fräsen, 3D-Druckern – aus, um sich die Dinge herzustellen, die sie benötigen.

Eine STL-Datei auf den Mars zu senden ist in jedem Fall billiger als der Transport des physikalischen Objekts. Wird dazu ein Prozess etabliert, der das Rohmaterial aus vor Ort vorhandenen Materialien erzeugt, wäre dies der Schritt zur echten Autarkie der Expedition von den mitgebrachten Vorräten. Dies dürfte allerdings mittelfristig – abgesehen von Baumaterialien für Unterkünfte – ein schwer umsetzbares Ziel bleiben.

Es fasziniert mich immer wieder, wie eine Technologie – hier der 3D-Druck – plötzlich Auswirkungen auf ganz andere Bereiche haben kann, beispielsweise auf die Organisationsphilosophie. Grundsätzlich ist heute eine Wende im Produktdesign zu beobachten, weg von festgefügten Funktionssets, hin zu flexiblen Produkten, die jederzeit per Soft- oder Hardwareupdate aktualisiert, erweitert oder modernisiert werden können. Die Verlagerung von Funktionalität in Software ist dabei ein treibender Faktor, ein weiterer Faktor wird die Möglichkeit werden, optimierte Ersatzteile einfach zu drucken.

Auf die Spitze getrieben zeigt sich dies derzeit bei den 3D-Druckern selbst: Im Internet sind Dutzende von Optimierungen beispielsweise für die Makerbot Replicator-Geräte zu finden, die Enthusiasten entwickelt und zur Verfügung gestellt haben. Dabei ist es sogar schon passiert – beispielsweise beim Materialvorschub des Replicator 2 – dass sich der Hersteller das beste neue Design zu Eigen gemacht und in den Standard der Serie übernommen hat.

Solche Kreisläufe – Hersteller präsentiert Produkt, Kunde entwickelt Verbesserung – Hersteller übernimmt diese in die Serie – ist es allerdings sinnvoll, wenn nicht sogar notwendig, dass die Produktdaten über den Serienanlauf hinaus nutzbar sind und zur Verfügung stehen. Denn das Produkt ist eben nicht mehr wie bisher im „Freigegeben“-Status sozusagen eingefroren, sondern kann sich jederzeit ändern. Integrierte Produktentwicklungssysteme, wie sie PTC Creo und PTC Windchill bereitstellen, sind dafür eine optimale Voraussetzungen, und mit dem Flexible Modeling bietet PTC eine Technologie an, die extrem schnelle Änderungen ohne großen Aufwand möglich machen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Die Konstruktion neu erfunden, Vorteile von Creo. Bookmarken: Permanent-Link. Trackbacks sind geschlossen, aber sie können Kommentieren.

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