Social Media als Ideengenerator

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Nach dem Schreiben des Blogeintrags der vorletzten Woche fiel mir eine weitere Facette von Social Media und Produktentwicklung auf, die oft unter dem Schlagwort Crowdsourcing diskutiert wird. Es geht darum, Anregungen und Ideen aus der Nutzerschaft in ein Produkt einfließen zu lassen.

Bei Twitter oder auf den Facebookseiten von Unternehmen lassen sich schon heute jeden Tag unzählige Anfragen und Kommentare finden, in denen Anwender ihre Anforderungen und Wünsche an das Produkt formulieren. Mit Quirky.com gibt es sogar eine ganze Website beziehungsweise ein Unternehmen, die von Crowdsourcing lebt: Hier kann ein Teilnehmer eine Idee formulieren und vorstellen, andere Nutzer bringen dann ihre Ideen ein, bis – in vielen Fällen – ein serienreifes Produkt entstanden ist. Quirky übernimmt dann die Fertigung und den Vertrieb der Produkte und beteiligt die Teilnehmer analog zu ihrem Anteil an der Entwicklung am Gewinn.

Dieses Vorgehen lässt sich auf Unternehmen übertragen: Wenn  der Nachfolger eines Produkt zur Konstruktion ansteht, warum nicht die Praxiserfahrung der Nutzer dieses Produkts nutzen? Bisher wurde dazu Marktforschung betrieben, moderne Social Media-Funktionen machen es möglich, die Kunden sehr viel preiswerter und „niedrigschwelliger“ zu beteiligen. Allerdings bringt das Crowdsourcing auch einige Fallstricke mit sich, die man beachten muss, um ein optimales Ergebnis zu erhalten.

Erfassung von EntwicklungsdatenSicherlich die wichtigste und erste Regel ist es, genau abzuwägen, was man möchte – es sind schon die verrücktesten Dinge passiert, wenn Unternehmen sich an der Kundenbeteiligung versucht haben: Henkel veranstaltete einen Wettbewerb, in dem Facebook-Nutzer eigene Designs für das Etikett einer Spülmittelflasche einsenden und die Favoriten wählen durfte. Ein Entwurf mit dem Slogan „Schmeckt lecker nach Brathähnchen“ war lange Zeit der Favorit, bis der Einsender ihn zurückzog. Der Ausschluss verschiedener anderer Designs, die nachträgliche Änderung der Wettbewerbsregeln und die „Bereinigung“ der Rangliste durch den Hersteller machten den negativen Effekt nur noch schlimmer und es entwickelte sich ein echter „Shitstorm“. Ähnliches erlebte die Stadt Schwäbisch Gmünd mit einem Wettbewerb zur Benennung eines neuen Tunnels, bei dem der Vorschlag „Bud-Spencer-Tunnel“ gewann und vom Gemeinderat verworfen wurde. Der Shitstorm ließ sich in diesem Fall eingrenzen, indem das Freibad nach dem Schauspieler benannt wurde.

Um solchen Auswüchsen vorzubeugen, ist es sicher sinnvoll, die Öffentlichkeit, die man im Prozess beteiligen möchte, einzugrenzen und die Aufgabe genau zu definieren. Sinnvoll kann es beispielsweise sein, die Teilhabe auf die erste Phase zu beschränken, in der die Funktionen und Leistungsmerkmale definiert werden; dann ist die Beteiligung so abstrakt, dass niemand sich zurückgesetzt fühlen muss.

In Abwandlung eines Bonmots von Ex-Bundesminister Peter Struck kann man nämlich sagen: „Kein Produkt verlässt die Konstruktionsabteilung so, wie es hereingekommen ist“.  Es wird sich in vielen Aspekten wandeln, bis es schließlich die Anforderungen der Technik, der Fertigung und des Controllings erfüllt. Funktionen lassen sich technisch nicht umsetzen, andere kommen hinzu – ein steter Wandel ist nahezu unvermeidbar. Sind nun die Vorstellungen der Teilnehmer zu festgelegt, ist Enttäuschung vorprogrammiert.

Auf der anderen Seite bieten die Kunden eine wertvolle Ressource von Erfahrungen und Ideen, die aus der Praxis kommen. Crowdsourcing ist deshalb ein tolles Werkzeug, das mit Bedacht einzusetzen ist.

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