Fräszentrum mit Virenscanner?

Industrie 4.0, Internet der Dinge, IPV6 – aktuelle Schlagworte und Themen, hinter denen sich eine Gemeinsamkeit verbirgt: Jede Maschine, jedes Ding ist mit einer individuellen IP-Adresse versehen und mit dem Netz verbunden. Maschinen können ihre eigene Wartung anfordern und auch gleich die passenden Ersatzteile bestellen, neue Funktionen einfach auf die Anlagen gespielt werden, Echtzeit-Auswertungen und -Statusmeldungen werden möglich. Auch PTCs Präsident Jim Heppelmann spricht in seiner Rede zur Zukunft der Fertigungsindustrie über smarte, softwareintensive und mit dem Internet verbundene Produkte.

Auf der Hannover Messe hatte ich zu dem Thema mit PTC-CTO Andy Wertkin eine interessante Unterhaltung. PTCs Kunde John Deere arbeitet stark in diese Richtung, das Ziel sind intelligente landwirtschaftliche Maschinen, die auch für „Precision Farming“ geeignet sind, bei dem jede Pflanze individuell gedüngt und bewässert wird.

Die Diskussion drehte sich schnell zum Thema Sicherheit: Wenn der Anteil an Software und Elektronik in Produkten immer höher wird und diese zudem mit dem Internet verbunden sind, werden ganz normale Produkte verwundbar für Angriffe von außen. Nicht nur der Stuxnet-Virus, der offensichtlich bewusst für die Zerstörung iranischer Uranzentrifugen entwickelt wurde, sondern auch eine Entdeckung der Computerzeitschrift c’t zeigen, dass Heizungen, Industrieanlagen, ja sogar Kirchturmuhren durch schlampige Programmierung von außen zugänglich sind.

Minderjährige Scriptkiddies, die einfach mal so durch Manipulieren von Heizanlagen Brände auslösen, Traktoren stilllegen oder Fertigungsanlagen mutwillig beschädigen? Soweit sind wir glücklicherweise noch nicht. Aber es wird schon immer wichtiger, dass Entwickler sich zum einen fragen, ob alles und jedes Produkt wirklich an das öffentliche Internet angeschlossen sein muss. Zum anderen müssen Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden. Die c’t deckte auf, dass es die Steuerung eines bestimmten Herstellers war, der die Webadministrationsoberfläche so programmierte, dass sie freiwillig sämtliche Nutzer- und Passwörter ins Internet verschickte. Solche groben Schnitzer dürfen einfach nicht passieren.

Doch das Problem geht noch tiefer. Wenn Produkte aus Mechanik, Elektronik und Software bestehen, müssen in der Entwicklung die Wechselwirkungen zwischen diesen Bereichen simuliert, analysiert und optimiert werden. Das geht nur in integrierten Entwicklungsumgebungen, die alle Disziplinen zusammenführen und es ermöglichen, über den Tellerrand der jeweils eigenen Disziplin hinauszusehen und zu verstehen, was die anderen Disziplinen tun. Dann wird es wohl doch nicht notwendig werden, auf dem Fräszentrum einen Virenscanner zu installieren.

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