Können 2D- und 3D-CAD friedlich zusammen existieren?

Die Einführung von 3D-CAD hat sicherlich überzeugende und gut dokumentierte Vorteile, doch immer noch gibt es eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen, die nach wie vor 2D-CAD-Systeme verwenden und unterstützen. Viele dieser Organisationen implementieren mit Erfolg eine hybride Konstruktionsumgebung, die die Vorteile von 2D- und 3D-Konstruktionstools vereint.

Laut einer von Jon Peddie Research durchgeführten Untersuchung aus dem Jahr 2012 belief sich der CAD-Markt 2010 auf insgesamt 6 Milliarden US-Dollar, von denen 2 Milliarden US-Dollar auf den 2D-CAD-Markt entfielen. Aus anderen Umfragen geht hervor, dass bis zu 75 Prozent der Unternehmen immer noch mindestens einige 2D-CAD-Tools verwenden.

Warum wird 2D immer noch häufig verwendet?

Es gibt verschiedene Gründe, warum viele Unternehmen zögern, die Konstruktion vollständig auf 3D umzustellen. Kosten sind offensichtlich ein Faktor, doch wenn man die Vorteile der 3D-Produktkonstruktion einmal durchgerechnet hat, fällt er gleich weniger ins Gewicht. Die Vorteile der 3D-Konstruktion: schnellere Time-to-Market, höhere Produktqualität, Integration mit Simulationssoftware für die Erstellung virtueller Prototypen, einfachere Wiederverwendung von Teilen und die Möglichkeit, 3D-CAD-Daten in nachgelagerten Prozessen zu nutzen.

Der Zeitaufwand für die Implementierung neuer 3D-CAD-Software und die Schulung neuer Benutzer in der Verwendung der Systeme wird von vielen Herstellern ebenfalls als Problem genannt. Noch nie war die Konkurrenz so groß wie heute. Viele Unternehmen denken deshalb, sie könnten sich die Ausfallzeiten, die mit einer vollständigen 3D-CAD-Implementierung einhergehen, schlichtweg nicht leisten. Andere nennen die Tatsache, dass ihre Kunden immer noch 2D-Lieferbestandteile wünschen.

Andere Unternehmen haben noch große Bestände an 2D-Entwürfen. Die Rekonstruktion all dieser Legacy-Zeichnungen in 3D wäre äußerst zeitaufwändig und irgendwie sinnlos. Wieder andere möchten die 2D-Konstruktionsfähigkeiten und die Erfahrung, die sie im Lauf vieler Jahre erworben haben, nicht verlieren. Für viele dieser Hersteller ist es daher sinnvoll, beide Systeme weiter zu pflegen. Neue Entwürfe werden in 3D erstellt, doch der Bestand an 2D-Zeichnungen wird weiterhin gepflegt, um frühere Entwürfe leicht ändern zu können.

Gemischte CAD-Umgebungen: Das Beste beider Welten?

Um diesen Spagat zu bewältigen, setzen viele Hersteller sowohl 2D- als auch 3D-Konstruktionstools ein. Sie nutzen die Vorteile der Konstruktion, Analyse, Visualisierung und Kollisionserkennung mit 3D-CAD-Tools, behalten aber ein 2D-CAD-System bei, um Fertigungszeichnungen zu erstellen oder mit Kunden bzw. Lieferkettenpartnern zusammenzuarbeiten.

Eine streng verwaltete gemischte Konstruktionsumgebung kann es Unternehmen ermöglichen, nahtlos zwischen 2D- und 3D-Konstruktionstools hin- und herzuwechseln. Der Schlüssel ist die Interoperabilität zwischen den beiden. Das 3D-Tool muss den direkten Import von nativen 2D-Dateien unterstützen und zugleich die vollständige Assoziativität mit dem 3D-Modell aufrechterhalten. Änderungen am Modell werden in die Zeichnung übernommen, sodass weniger manuelle Aktualisierungen erforderlich sind und sichergestellt ist, dass die 2D-Zeichnungen mit dem 3D-Modell übereinstimmen.

Eine solche Interoperabilität gibt den Ingenieuren die Freiheit, 2D-Zeichnungen sicher für die Erstellung von 3D-Teilemodellen wiederzuverwenden und die Erkenntnisse, die sie aus den digitalen Prototypen gewonnen haben, in 2D an Zulieferer und Partner weiterzugeben. Diese Fähigkeit ist auch in Umgebungen mit mehreren CAD-Systemen wichtig, damit die Benutzer 2D- und 3D-Konstruktionsdaten ohne Dateikonvertierungssoftware gemeinsam benutzen können.

Eine Roadmap zur 3D-Konstruktion

Ein weiterer Vorteil einer gemischten CAD-Umgebung ist, dass sie die schrittweise Einführung von 3D-Konstruktionstools mit weniger Ausfallzeiten ermöglicht. Oft bedeutet das, dass die Benutzer die 2D-Tools, die sie kennen, weiterhin verwenden können und nebenbei Schritt für Schritt und in ihrem eigenen Tempo die 3D-Software erlernen. Diese langsame Migrationsmethode kann unzählige Stunden an Konstruktion und Nacharbeit einsparen und ermöglicht es den Benutzern, sich ganz auf die Innovation zu konzentrieren, statt sich mit Workflow-Problemen zu beschäftigen.

Einige Benutzer werden neuen 3D-Tools sicherlich skeptisch gegenüberstehen. Es ist die Aufgabe von CAD-Managern, neuen Benutzern angemessene CAD-Schulungen anzubieten, damit diese sich bei der Arbeit mit neuen 3D-Konstruktionstools wohlfühlen. Über kurz oder lang werden die Ingenieure selbst aber zukünftig ihre Karrierechancen verbessern, wenn sie 3D-Konstruktionsfähigkeiten erwerben, da 3D-Konstruktionssysteme irgendwann einmal zur Norm werden.

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