Hersteller finden überzeugende Gründe für Onshoring-Trend

Seit mehreren Jahrzehnten verlagern US-Unternehmen Arbeitsstellen in der Fertigung ins Ausland und haben so die jahrhundertelange Vorherrschaft des Landes in der Fertigung beendet. In der jüngsten Vergangenheit stellen US-Unternehmen diesen Schritt allerdings aufgrund gestiegener Transport- und Treibstoffkosten, höherer Lohnniveaus und höherer Ausschussraten in Entwicklungsländern immer öfter in Frage und holen einen Teil ihrer Fertigung wieder in die Vereinigten Staaten zurück.

Laut einer Untersuchung der Boston Consulting Group (BCG) plant mehr als ein Drittel der Führungskräfte in US-amerikanischen Fertigungsunternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde USD, die Produktion aus China zurück in die USA zu holen. Die Untersuchung ergab weiterhin, dass bis die Vereinigten Staaten bis 2015 beim Warenexport einen Kostenvorteil von 5 bis 25 Prozent gegenüber Ländern wie Deutschland, Japan und Großbritannien erzielen werde.

Die Zeichen dafür, dass das Onshoring oder auch Reshoring bereits im Gang ist, häufen sich. Fallbeispiel: Apple Computer. Letzten Monat verriet CEO Tim Cook, dass Apple über 100 Millionen USD investieren will, um einen Teil der Fertigung seiner Macs aus China zurück in die USA zu holen.  Diese Ankündigung von Apple war nur eine von mehreren größeren Unternehmen, die die Fertigung wieder auf heimischen Boden holen.

Im Oktober vergangenen Jahres gab Lenovo einen ähnlichen Schritt bekannt, nämlich dass die Produktion einiger PCs und Tablets in ein Fertigungswerk in der Nähe des Hauptsitzes in North Carolina verlagert werde. GE eröffnete in Kentucky neue Fertigungsstraßen für Hausgeräte – die erste neue Montagestraße im größtenteils stillgelegten Appliance Park seit 55 Jahren. Das Unternehmen wird insgesamt 800 Millionen USD in die Wiederbelebung und Modernisierung der Anlage investieren.

Gründe für den Trend

Man könnte meinen, der Grund für diesen Trend sei die Tatsache, dass US-amerikanische Verbraucher zunehmend Produkte mit der Aufschrift „Made in the U.S.A“ kaufen. Dem ist nicht so. Es geht allein um eine gesunde Geschäftsstrategie. Erstens sind die Lohnkosten in China seit 2000 um 500 Prozent in die Höhe geschossen und werden wohl auch in Zukunft um 18 Prozent pro Jahr steigen. Darüber hinaus sind die Erdgaspreise in den USA so stark gefallen, dass der Gaspreis in Asien mittlerweile viermal so hoch ist.

Unternehmen stellen außerdem fest, dass ein gemeinsamer Standort für technische Entwicklung und Produktion gewisse Kostenvorteile bietet. Der Versand von Komponenten und Produkten um die halbe Welt ist teuer und dauert lang. Das Gleiche gilt für Flugreisen von Managern, um die Produktion an verschiedenen Standorten weltweit zu überwachen. Darüber hinaus können Verständnisfehler zwischen Produktionsmitarbeitern, die eine Sprache sprechen, und Ingenieuren, die eine andere Muttersprache haben, die Produktqualität beeinträchtigen.

Weitere überzeugende Gründe für Onshoring sind die höhere Produktivität von US-amerikanischen Arbeitskräften, die flexibleren Gewerkschaften, der fehlende Schutz von geistigem Eigentum in China, geringere Störungen der Lieferkette und der Wunsch nach mehr Kundennähe. In der Untersuchung von BCG nannten die befragten Unternehmen die folgenden Faktoren als Gründe für zukünftige Entscheidungen über Fertigungsstandorte: Arbeitskraftkosten (57 %), Produktqualität (41 %), einfache Geschäftsbeziehungen (29 %) und Kundennähe (28 %).

Verbleibende Herausforderungen

Auch wenn lokale und nationale Regierungen bei der Aussicht jubeln, dass mehr Unternehmen diesem Trend folgen könnten, wird es doch beträchtliche Investitionen in neue Fertigungsanlagen und Arbeitskräfte geben müssen, damit Onshoring funktionieren kann. Die Verschiebung hin zu Elektronik- und anderen Hightech-Produkten erfordert andere Produktionsanlagen und eine höhere Qualifikation der Arbeitskräfte als früher.

Regierungen und Universitäten müssen gemeinsam relevante Schulungen und Kurse für Berufe in der Fertigung anbieten, und mehr Unternehmen müssen Arbeitskräfte für die Fertigung selbst ausbilden oder in einigen Fällen umschulen.

Die in Deutschland so erfolgreichen Ausbildungsprogramme sind ein effektives Mittel, um qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Viele sind der Ansicht, dass das duale Berufsausbildungssystem in Deutschland der Grund dafür ist, dass das Land mit 7 bis 8 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote aller Industrienationen hat.

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