Die Zukunft von Crowdsourcing in der Produktkonstruktion

In letzter Zeit gab es einen großen Hype um die so genannte Demokratisierung der Konstruktion – einen Trend, der durch die Möglichkeit entstanden ist, im Internet eine Masse von Menschen zu erreichen und mithilfe von „Crowdsourcing“ die Innovation zu fördern. Beim Crowdsourcing geht es definitionsgemäß darum, Aufgaben, die traditionell von einem Mitarbeiter oder Auftragnehmer übernommen werden, über einen offenen Aufruf an eine nicht näher bestimmte große Personengruppe oder „Crowd“ auszulagern.

Die Einladung erfolgt üblicherweise über das Internet und kann die Öffentlichkeit dazu auffordern, Ideen zu einer neuen Technologie zu liefern oder manchmal auch eine Entwurfsaufgabe durchzuführen. Dies ist auch als Community-basierter Entwurf bekannt. Dahinter steht das Ziel, Innovation und Kreativität zu fördern, etwas, was in traditionellen Produktentwicklungsumgebungen, die an strenge Zeitpläne und Budgets gebunden sind, durchaus fehlen kann. Hinter Crowdsourcing steckt das Prinzip, dass mehr Köpfe besser sind als einer, besonders wenn es um das Lösen von Problemen geht.

Crowdsourcing in der realen Welt

Es mag vielleicht weit hergeholt scheinen, doch Crowdsourcing setzt sich in vielen führenden Unternehmen immer mehr durch. Die NASA kündigte kürzlich einen offenen Innovationswettbewerb statt, um eine Lösung zur Maximierung der Solarenergieausbeute auf der Internationalen Raumstation ISS zu finden. Dies ist das letzte in einer ganzen Reihe von Crowdsourcing-Projekten der NASA. Für das Projekt, das über die offene Innovations-Community TopCoder läuft, sind Preise im Wert von insgesamt 30.000 USD ausgeschrieben.

Quirky, ein Internet-Startup und der geniale Einfall des noch nicht einmal dreißigjährigen Ben Kaufman, lädt Möchtegern-Erfinder ein, ihre Produktideen für 10 USD einzureichen. Im Gegenzug werden diese von den 352.000 Mitgliedern der Online-Community sorgfältig geprüft. Anschließend kann die Community ihre Lieblinge wählen. Die Ideen mit den besten Bewertungen werden von einem internen Expertenteam geprüft, die jede Woche ein oder zwei Produkte nach Design-Potenzial, Einzigartigkeit und Vermarktungsfähigkeit auswählen.

Diese Ideen durchlaufen nun eine Reihe von Entwicklungsphasen – Forschung, Design und technische Entwicklung sowie Markenbildung –, ehe sie auf den Markt gelangen. Üblicherweise dauert der Entwicklungszyklus 120 bis 180 Tage, bevor die Produkte in die Regale gelangen. Bislang wurden über 299 Produkte über Quirky entwickelt, die nun unter anderem bei Bed Bath and Beyond, Target und Barnes & Noble zum Verkauf stehen. Die Erfinder der Produkte erhalten in der Regel etwa 35 % der Erträge.

Wird Crowdsourcing irgendwann zum Mainstream gehören?

Crowdsourcing kann für etablierte Unternehmen eine hervorragende Inspirationsquelle sein. Diese können ihren Mitarbeitern dadurch die Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Produkte ermöglichen und zugleich die Nachfrage nach diesen Produkten ausloten. Dieses Konzept, das oft auch als Kunden-Crowdsourcing bezeichnet wird, gehört in der Softwareindustrie seit Jahren zum Alltag, ist in anderen Branchen aber noch relativ neu.

Eric von Hippel, Harvard-Absolvent, Professor am MIT, anerkannte Autorität im Bereich der Benutzerinnovation und Verfasser des Buches Democratizing Innovation, stellt sich eine Zukunft vor, in der die meisten Unternehmen die traditionelle Marktforschung und Produktkonstruktion aufgeben und sich stattdessen Benutzer-Communitys nutzen, um festzustellen, welche Produkte entwickelt und verkauft werden sollten. Diese so genannten „Innovation Commons“ sollten aus Tüftlern, Hackern und anderen treuen Kunden bestehen, die ihre Ideen und Meinungen offen kundtun. Laut von Hippel werden die Unternehmen die Innovationsherausforderung bewältigen, die am besten zuhören können.

Es gibt viele überzeugende Gründe, warum Unternehmen Crowdsourcing praktizieren sollten. Erstens zwingt es Unternehmen, sich das gesamte Feedback anzuhören, sei es nun positiv oder negativ. Außerdem sorgt es dafür, dass sich eine Benutzer-Community wirklich und wahrhaftig für die Produkte eines Unternehmens verantwortlich fühlt. Fazit: Das Internet kann für Unternehmen eine nahezu unerschöpfliche Quelle von innovativen Ideen darstellen. Aber nur mit einer sorgfältigen Auswertung durch Experten können mit Crowdsourcing wirklich Produkte hergestellt werden, die nicht nur inspirieren, sondern sich auch gut verkaufen.

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