Kontrolle der Produktkosten

Trotz der signifikanten Fortschritte bei der Konstruktionstechnologie – sowohl bei der Konstruktionssoftware als auch bei der Produktion – bleiben die Konstruktion und der Bau neuer Produkte eine teure Angelegenheit. Die Margen werden immer geringer, sodass die Produktkosten mit äußerster Sorgfalt überwacht werden müssen, um die Erträge zu steigern.

Innovation ist zwar immer noch ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Entwicklung neuer Produkte, doch Ingenieure müssen bei der Sammlung neuer Produktideen zunehmend auch Kostenfaktoren von Konstruktionsalternativen berücksichtigen. Bislang standen für Konstrukteure Form, Zweckmäßigkeit und Funktion an erster Stelle. Nun kommt noch die finanzielle Seite hinzu.

Ein systematisches Produktkostenmanagement (Product Cost Management, PCM) kann signifikante Vorteile bedeuten und Organisationen eine Möglichkeit bieten, Entscheidungen in den Frühphasen der Konstruktion zu steuern, wenn die Kosten noch am stärksten beeinflusst werden können.

Innerhalb eines Unternehmens können viele verschiedene Menschen und Abteilungen die Produktkosten beeinflussen. Beispielsweise entscheidet sich das Entwicklungsteam für einen bestimmten Entwurf. Es gibt jedoch oft mehrere alternative Entwürfe, die dieselben Konstruktionsspezifikationen (Anforderungen an Form, Passform und Funktion) erfüllen. Jede Alternative ist mit anderen Kosten verbunden.

Die Fertigung spielt bei der Bestimmung der gesamten Produktkosten ebenfalls eine zentrale Rolle, da es bei der Herstellung eines Produkts viele potenzielle Kosten gibt, die allerdings oft verhandelbar sind und von der Kostenstruktur, den Fähigkeiten und der Prozesssteuerung der Anlage abhängen. Der Fertigungsingenieur entscheidet sich für eine Produktionsmethode, doch möglicherweise gibt es andere, kostengünstigere Möglichkeiten, denselben Entwurf herzustellen.

Was ist PCM?

PCM umfasst eine Reihe von systematischen Tätigkeiten, Prozessen und Tools innerhalb einer Organisation, die sämtliche Entscheidungen im Zusammenhang mit der Konstruktion und Herstellung eines Produkts zu möglichst niedrigen Kosten lenken. Wird PCM effektiv und durchgängig implementiert, kann es eine aggressive Kostenkontrolle am Ursprung ermöglichen und eine besonders starke Senkung der Produktkosten unterstützen.

Sehen wir uns einige der wichtigeren Aktivitäten, die von PCM profitieren können, einmal genauer an.

  • Untersuchung der Kosten-Tradeoffs unterschiedlicher Konzeptentwürfe in den Frühphasen der Konstruktion
  • Evaluierung mehrerer Konstruktionsalternativen während der Konzeptentwicklungsphase
  • Bewertung der Kosten vorgeschlagener Lösungen für einen Änderungsauftrag
  • Evaluierung mehrerer alternativer Fertigungsmethoden und Werkzeugbestückungen im Hinblick auf die kostengünstigste Lösung (inkl. Make-or-Buy-Analyse)
  • Validierung von Zuliefererangeboten durch Generierung einer detaillierten Sollkostenschätzung

Diese zentralen Aktivitäten passen in die verschiedenen Funktionen und Prozesse im Produktlebenszyklus. Außerdem sind sie messbare, kontrollierte Prüfpunkte, anhand deren die Mitglieder des Produktkonstruktionsteams Entscheidungen, die sich auf die Produktkosten auswirken, konstant hinterfragen können.

Beispielsweise finden häufig Konstruktionsprüfungen statt, um sicherzustellen, dass die in Arbeit befindlichen Entwürfe der Konstruktionsabsicht entsprechen. Die finanziellen Auswirkungen von Konstruktionsalternativen werden allerdings nur selten untersucht.

Ein wirkungsvoller PCM-Plan sollte eine obligatorische Kostenevaluierung im Rahmen zentraler Konstruktionsprüfungen vorschreiben. Für eine effektive PCM-Bereitstellung benötigen alle Mitglieder des Konstruktionsteams Tools, die in jeder Entwicklungsphase eine äußerst genaue Beurteilung der tatsächlichen Produktkosten erlauben.

Produktkosten-Schätzsysteme ermöglichen die schnelle Erzeugung und Verwaltung präziser Schätzungen, ohne dass dazu Spezialwissen über die Fertigung oder die Kostenkalkulation erforderlich ist.

Weitere Tools sind Berichterstellungssysteme für die Dokumentation und Verfolgung der Ergebnisse des Kostenmanagements, Analysesysteme für die Suche in großen Datenmengen zur Identifizierung von Kostentrends sowie Stücklisten-Kostenverfolgungssysteme zur Schätzung der Rollup-Kosten zu jedem Moment im Produktlebenszyklus.

Ohne diese zentralen Aktivitäten, Prozesse und Tools bleibt PCM ein von manuellen und dezentralen Tätigkeiten geprägtes Konzept, das nur für Fertigungs- und Kostenkalkulationsexperten nützlich ist. Nur wenn jeder im ausgedehnten Konstruktionsteam in der Lage ist, nach Möglichkeiten zur Eliminierung von Kosten im Entwicklungsprozess Ausschau zu halten, eröffnen sich zahlreiche Chancen zur Identifizierung und Realisierung signifikanter Einsparungen bei den Produktkosten.

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