Die Multi-CAD-Sprachbarriere: Arbeiten mit Partnern, die unterschiedliche CAD-Systeme verwenden

Organisationen, die Produkte entwickeln und herstellen, wenden viel Zeit, Geld und Mühe dafür auf, ihre 3D-CAD-Software perfekt zu beherrschen, da dies nachweislich enorme positive Wirkungen hat, beispielsweise eine kürzere Time-to-Market, bessere Produktqualität und niedrigere Produktentwicklungskosten.

Tatsache ist jedoch, dass es angesichts des dezentralen Produktentwicklungsprozesses von heute mit seiner umfangreichen Kette von Zulieferern und Partnern ausgeschlossen ist, dass alle CAD-Daten im gleichen System erstellt werden. Schätzungen zufolge werden 66 Prozent der 3D-CAD-Dateien nicht im bevorzugten Format geliefert.

Bei der Aberdeen-Umfrage Working with Multi-CAD? gaben 82 Prozent der Befragten an, dass bei ihrem Konstruktionsprozess mindestens drei CAD-Formate verwendet werden. In Multi-CAD-Umgebungen ist die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen besonders komplex, anfällig für menschliche Fehler und Verzögerungen. Organisationen müssen nicht nur in der Lage sein, CAD-Daten in mehreren Formaten anzunehmen, sondern auch verschiedene CAD-Modelle zusammenzuführen, ohne bereits fertige Teile zu verlieren oder neu erstellen zu müssen.

Der Austausch und die anschließende Reparatur von Dateien, die zwischen Partnern und Lieferanten ausgetauscht werden und in mehreren Systemen erstellt wurden, sind wahrscheinlich die größten Herausforderungen und Engpässe beim heutigen kollaborativen Produktentwicklungsprozess.

Die gemeinsame Verwaltung von Produktdaten aus unterschiedlichen CAD-Systemen führt oft zu Fehlern aufgrund von manueller Überarbeitung des Modells, was oft wiederum längere Bearbeitungszeiten und höheren Kosten zur Folge hat.

Neutralität wahren

Für eine Weile schien es, als würde die Industrie so genannte neutrale Formate wie IGES und STEP für den Austausch von CAD-Daten übernehmen. Das Problem dabei war, dass die Benutzer viel Zeit dafür aufwenden mussten, mithilfe von verlaufsbasierten, parametrischen Modellierungstools Intelligenz in ihre CAD-Modelle einzubauen, die bei Verwendung von neutralen Formaten beim Konvertieren verloren ging.

Im Gegensatz zu nativen 3D-CAD-Dateien bleiben bei IGES- und STEP-Dateien keine umfangreichen Daten über das Produkt im Konstruktionsweg erhalten. Native CAD-Dateien, die in so genannte „dumme“ STEP- oder IGES-Dateien umgewandelt werden, verlieren viel von ihrer Intelligenz, sodass nur das reine Flächenmodell zurückbleibt.

Der Vorteil ist, dass wertvolles Konstruktionswissen geschützt ist, der Nachteil ist jedoch, dass der Empfänger beim Partner oder Lieferanten einen großen Überarbeitungsaufwand hat, um mit dem Modell arbeiten zu können. Laut der Aberdeen-Umfrage ist die Verwendung neutraler Formate in den letzten Jahren rückläufig.

Das Senden und Empfangen von CAD-Dateien in neutralen Formaten findet zwar immer noch statt, ist aber nicht mehr die bevorzugte Praxis.  Im Vergleich zu einer früheren Umfrage aus dem Jahr 2006, als mehr als die Hälfte (52 %) der Unternehmen Entwürfe in neutralen Formaten lieferten, tun dies in der neuesten Studie nur noch 38 Prozent der Best-in-Class-Befragten.

Best Practices von Best-in-Class-Organisationen

Laut der Aberdeen-Umfrage setzen 69 Prozent der Best-in-Class-Organisationen eine CAD-Anwendung intern als Standard ein, können aber Daten in vielen verschiedenen CAD-Formaten senden und empfangen. Hierbei senden sie Visualisierungsdateien an Partner, Zulieferer und Kunden. Hersteller sollten auch sicherstellen, dass sie gute Daten als Ausgangspunkt nutzen, da beschädigte Dateien oder Dateien von schlechter Qualität auch nach der Konvertierung von schlechter Qualität sind.

Weitere Best Practices sind die Zentralisierung aller CAD-Systeme, die Suche in Legacy-Daten im Hinblick auf eine mögliche Wiederverwendung sowie die Synchronisierung von Konstruktionsdaten zwischen dezentralen Standorten über sämtliche CAD-Systeme hinweg. Unterstützende Technologien, die diese Best Practices ermöglichen, sind CAD-Tools, die den Import anderer CAD-Formate unterstützen, Visualisierungstools und ein durchgängiges, integriertes PDM- oder PLM-System für die Verwaltung sämtlicher CAD-Datentypen im Unternehmen.

Der Datenaustausch gehört zu den schwierigsten, komplexesten und langwierigsten Herausforderungen, denen Hersteller heute und auch zukünftig gegenüberstehen, da die Konstruktionslieferketten sich auch in Zukunft erweitern werden und die Konstruktion zunehmend in Teamarbeit erfolgen wird. Durch den Einsatz von immer leistungsfähigeren Interoperabilitätstools können Organisationen dieser Herausforderung effektiv begegnen.

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