Überwinden der Sprachbarriere zwischen ECAD- und MCAD-Konstruktion

Hersteller stehen ständig unter dem Druck, die Entwicklungskosten reduzieren, die Markteinführung beschleunigen und innovativere Produkte liefern zu müssen. Die Produkte werden immer komplexer, da die Konsumenten einen immer größeren Funktionsumfang in immer kleineren Bauformen erwarten. Aufgrund all dieser Forderungen müssen Organisationen neue Möglichkeiten finden, ihre Konstruktionstools und -prozesse zu verbessern und die Effizienz innerhalb ihrer Konstruktionsteams – und zwischen diesen – zu erhöhen, die neue Produkte entwerfen und herstellen sollen.

Die Entwicklung elektromechanischer Produkte ist deshalb so schwierig, weil sie die sorgfältig abgestimmten Bemühungen von Elektro- und Mechanik-Konstruktionsteams erforderlich macht. Die Unterstützung dieser Zusammenarbeit zwischen Mechanik- und Elektrokonstrukteuren während des gesamten Konstruktionsprozesses, bei dem in beiden Fachbereichen inkrementell Änderungen auftreten, ist ein wichtiger betriebswirtschaftlicher Faktor für die Entwicklung erfolgreicher elektromechanischer Produkte.

Probleme mit einem elektromechanischen Entwurf sind oft das Ergebnis unzureichender Kommunikation notwendiger Konstruktionsänderungen zwischen voneinander getrennten Elektro- und Mechanik-Konstruktionssystemen. Eine effektive Kommunikation ist oft gar nicht so einfach, da die Konstruktionssysteme selbst häufig nicht dieselbe Sprache sprechen.

Noch problematischer wird es dadurch, dass die beiden Konstruktionsteams – für Elektro- und Mechanik-Konstruktion – oft auf verschiedene Standorte verteilt sind. Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, benötigen beide Konstruktionsteams einen Mechanismus, mit dem sie die Auswirkungen von Konstruktionsänderungen fachbereichsübergreifend früher im Konstruktionszyklus identifizieren und kontrollieren können, um so teure späte Konstruktionsänderungen zu vermeiden.

Die fortlaufende und einheitliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Konstruktionsteams sorgt dafür, dass beide Teams stets synchron sind, und kann dazu beitragen, zu verhindern, dass später im Entwicklungszyklus Nacharbeit anfällt.

Bevor die Mechanik-Konstrukteure Änderungen beantragen, sollten sie die Auswirkungen dieser Änderungen auf die Elektroentwürfe untersuchen und beurteilen. Natürlich gilt das Gleiche auch umgekehrt. Voraussetzung hierfür ist, dass digitale Daten aus beiden Systemen gemeinsam verwaltet werden, sodass inkrementelle Prüfungen und bei Bedarf auch Gegenvorschläge möglich sind.

Nach der Genehmigung der Änderungen ist ein Mechanismus notwendig, der die entsprechenden Datenbanken automatisch aktualisiert. Traditionell bestand das Problem darin, dass die Hin- und Herübertragung der Konstruktionsdaten zwischen ECAD- und MCAD-System vergleichbar war mit dem Versuch, in zwei vollkommen unterschiedlichen Sprachen zu kommunizieren.

Für eine effektive Zusammenarbeit müssen die Daten in einer Form ausgetauscht werden, die den Nutzern beider Systeme vertraut ist. 2008 gab die ProSTEP iVIP Association mit der ProSTEP iVIP Recommendation ein Datenschema und ein Kommunikationsprotokoll für genau diese Zusammenarbeit heraus, die den Anwendern verschiedener ECAD- und MCAD-Softwareanwendungen zur Verfügung stehen.

Diese Möglichkeit der Zusammenarbeit wird durch Creo ECAD-MCAD Collaboration Extension bereitgestellt. Und so funktioniert es: Der neue Standard geht gezielt mehrere Probleme der ECAD-MCAD-Collaboration an, unter anderem die Tatsache, dass Konstruktionsteams oft über die ganze Welt verteilt sind, was die Zusammenarbeit in Echtzeit unmöglich macht.

Infolgedessen unterstützen diese Tools sowohl die synchrone (beide Konstrukteure sind online und können direkt auf Änderungsvorschläge reagieren) als auch die asynchrone Zusammenarbeit. Bei Letzterem werden die Änderungen gespeichert und zum gegebenen Zeitpunkt im Collaboration-Modul präsentiert.

Diese Collaboration-Tools unterstützen auch die oft laufenden Verhandlungen zwischen ECAD- und MCAD-Konstruktionsteams über Änderungsvorschläge. Hierzu besteht die Möglichkeit, Vorschläge in einer „Sandbox“ zwischenzulagern und nur das Ergebnis einer abgeschlossenen Verhandlung in der permanenten Konstruktionsdatenbank zu implementieren.

Diese Funktionalität ermöglicht es beiden Teams, Änderungsvorschläge iterativ umzusetzen, die Auswirkungen zu testen und Alternativen oder Gegenvorschläge zu unterbreiten. Diese Collaboration-Tools weisen auch jeweils ähnliche Schnittstellenmerkmale auf wie die allgemeine Software des jeweiligen Fachbereichs, sodass die Einarbeitung für beide Gruppen relativ schnell geht.

Grafiken, Optionen und Menüs verwenden ähnliche Benennungen wie die anderen Tools, sodass die Benutzer sich nicht mit einer völlig neuen Terminologie oder Benutzeroberfläche vertraut machen müssen, bevor sie mit der Anwendung arbeiten können.

All diese neuen Funktionen ermöglichen es den beiden Konstruktionsteams, dieselbe „Sprache“ zu sprechen und effektiv an inkrementellen Änderungsvorschlägen für die Mechanik- oder Elektro-Konstruktion zusammenzuarbeiten und anschließend in Echtzeit über ein neues Datenformat und Kommunikationsprotokoll gemäß Branchenstandard darüber zu verhandeln.

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