Es ist nicht einfach, grün zu sein: So wirkt sich Nachhaltigkeit auf Entwürfe aus

Kermit der Frosch war der erste, der es sagte, doch es muss immer wiederholt werden: Es ist nicht einfach, grün zu sein. In der heutigen Welt ist es aber vielleicht der einzige Weg, den Hersteller einschlagen können. Heutzutage machen sich alle darüber Gedanken, wie man die Zukunft unserer Umwelt positiv beeinflussen kann. Das beginnt oft bei den Kaufentscheidungen.

Konsumenten fühlen sich zunehmend von „grünen“ Angeboten angesprochen. Das wiederum zwingt die Organisationen, den Entwurf und die Fertigung ihrer Produkte neu zu überdenken. Die Statistiken bestätigen diesen Trend. Laut einer Umfrage des unabhängigen Marktforschungsunternehmens Verdantix erreichen die Unternehmensausgaben für Innovationstätigkeiten zur Verbesserung der Produktnachhaltigkeit 2012 in den USA 12 Mrd. US-Dollar und in Großbritannien 1,6 Mrd. US-Dollar.

Eine weitere Studie von Earth 2017 schätzt, dass nachhaltige Produkte im Jahr 2012 weltweit einen Jahresumsatz von einer Trillion US-Dollar erzielen werden. Bis zum Jahr 2017 soll diese Zahl auf 10 Trillionen US-Dollar ansteigen. Regierungen überall auf der Welt tragen ihren Teil dazu bei, Nachhaltigkeit durch entsprechende Gesetzgebung und Regulierungen zu fördern. Die Verdantix-Studie hat ergeben, dass die Anforderungen für Gesetze wie REACH in Europa und RoHS in Großbritannien zusammen mit dem gestiegenen Druck seitens der Verbraucher die Unternehmen dazu bringen, eine bessere Umweltverträglichkeit ihrer Produkte sicherzustellen.

Die Ende 2012 in Frankreich in Kraft tretenden Vorschriften für die Umweltdeklaration von Produkten werden ebenfalls Nachhaltigkeitsinitiativen auf Produktebene fördern. Es sind jedoch die großen Unternehmen, nicht die Regierungen, die das Streben nach Nachhaltigkeit am meisten vorantreiben, da sie einen immer bedeutenderen Gewinnzuwachs durch Design- und Prozessinnovationen erzielen können, die die Kosten für Produktion, Lieferung, Verpackung und Entsorgung senken und zugleich die Umweltbilanz des Unternehmens und/oder Produkts verbessern.

Beispiele für diesen Trend sind die Konsumgütergiganten Walmart, General Electric und Coca-Cola. Für die Konstruktion im Hinblick auf Nachhaltigkeit müssen die Auswirkungen jeder Konstruktionsphase, von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung, auf den Lebenszyklus berücksichtigt werden.

Produkte, die mit weniger Energie, weniger Material und/oder mit nachhaltigen Materialien entworfen und hergestellt werden, können letztendlich auch einfacher auseinandergebaut und der Wiederverwendung oder Wiederverwertung zugeführt werden. Produkte, die mit weniger toxischen Chemikalien oder Prozessen hergestellt werden, verschaffen den Herstellern einen Wettbewerbsvorteil. Doch die Konstruktion im Hinblick auf Nachhaltigkeit ist nur möglich, wenn alle Mitglieder des erweiterten Entwicklungsteams an einem Strang ziehen, allen voran die Konstruktionsingenieure.

Sie müssen sich zwar nach wie vor auf die Entwicklung innovativer Produkte konzentrieren, dabei aber bewusst umweltverträgliche Materialien und Teile sowie Energie sparende Fertigungsprozesse auswählen, recyclingfähige leichte Verpackungen entwerfen und am Ende des Lebenszyklus eine sichere Entsorgung sicherstellen. All diese Kriterien müssen schon in den frühesten Entwurfsphasen berücksichtigt werden.

Was Kunden wirklich über umweltverträgliche Produkte denken

Bei einer Untersuchung der internationalen Unternehmensberatung Accenture mit dem Titel The Value of the Sustainable Supply Chain: What Do Consumers Think? wurde untersucht, wie Kunden die Nachhaltigkeitsrichtlinien von Unternehmen wahrnehmen.

Die Studie kam zu dem Schluss, dass Kunden weltweit sich über die Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik von Unternehmen Gedanken machen. Fast zwei Drittel der befragten Verbraucher gaben an, dass ihre Wahrnehmung eines Unternehmens stark von dieser Politik beeinflusst wird, während nur 10 Prozent aussagten, dass sie kaum oder keinen Einfluss hätten.

Interessanterweise spielte die Herkunft der Verbraucher eine wichtige Rolle. Mehr als 80 Prozent der chinesischen und brasilianischen Verbraucher gaben an, dass ihre Wahrnehmung stark von der Unternehmenspolitik beeinflusst wird, während es in den USA und in Großbritannien nur 40 Prozent waren. Dies lässt den Schluss zu, dass durch die rasche Industrialisierung dieser Länder und den Mangel an entsprechenden Schutzmechanismen Sorgen über die Umwelt geweckt wurden.

Hilfreiche Tools

Es gibt am Markt viele Tools zur Beurteilung der Ökobilanz in einer frühen Entwicklungsphase. Viele davon enthalten zugleich 3D-Modellierungs-, Analyse- und Simulationsprogramme und bieten ein Gesamtkonzept für die nachhaltige Produktentwicklung ohne Einschnitte bei Produktleistung und Qualität.

Mit diesen Tools können die Konstrukteure nachhaltigere Materialien identifizieren und schon während der Entwurfsphase in ihre Produkte einbinden. Sie helfen bei der Auswahl umweltverträglicher Materialien oder Komponenten innerhalb der Lieferkette und machen Nachhaltigkeits-„Hotspots“ (Aspekte der Entwicklung, Herstellung oder Verwendung des Produkts, die die Umweltverträglichkeit besonders negativ beeinflussen) im Produktlebenszyklus deutlich.

Neben dem Einsatz von Öko-Konstruktionstools sollten sich Unternehmen von ihrem Konstruktionssoftware-Anbieter Rat holen, um einen internen „Nachhaltigkeits-Audit“ durchzuführen und zu erfahren, wo im Produktentwicklungsprozess Nachhaltigkeitsinitiativen am besten ansetzen sollten.

Bis es so weit ist, dass Nachhaltigkeit wirklich ein zentrales Ziel in der Entwicklung ist, müssen die Schulungen und die Ausbildung von Ingenieuren grundlegend geändert werden. Universitäten beginnen jetzt, die Konstruktion im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit in ihre Lehrpläne aufzunehmen.

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