Umgang mit Komplexität beim Entwurf softwarelastiger Produkte

Im vom Wettbewerb geprägten Umfeld der Produktentwicklung erhalten immer mehr Produkte ihre Funktionalität von Software. Software ist oft das einzige Alleinstellungsmerkmal der Produkte und das, was es den Herstellern ermöglicht, die Produktfunktionalität für einzelne Märkte und Benutzer individuell anzupassen. Die Softwareseite der Produktentwicklung bringt allerdings viele zusätzliche Herausforderungen mit sich, die zu schlechter Qualität, längeren Entwicklungszyklen und geringerer Effizienz führen können.

Tech-Clarity befragte im Rahmen einer Umfrage 100 Unternehmen über die Entwicklung von softwarelastigen Produkten. Bei 53 Prozent der Teilnehmer nimmt der Anteil der in ihre Produkte eingebetteten Software stark zu, während bei 57 Prozent Software immer mehr zu einem integralen Element der Produktentwürfe wird. 55 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass die Differenzierung ihrer Produkte von Konkurrenzprodukten in erster Linie durch Software erfolgt.

Die Vorteile

Neben der Möglichkeit, Produkte zu differenzieren und zusätzliche Funktionen hinzuzufügen, hat der verstärkte Einsatz von Software in Produkten auch zu mehr Innovation geführt. Zu den Branchen mit dem stärksten Wachstum bei der Verwendung von Software in Produkten und der damit verbundenen gestiegenen Innovation gehören die Automobil- und die Hightech-Industrie.

Bei manchen Automodellen beläuft sich der Code inzwischen auf fast 100.000 Zeilen. Der Volt von General Motors, ein Elektrofahrzeug, enthält über 10 Millionen Codezeilen und mehr als 100 elektrische Steuerungen. Hinter dem verstärkten Einsatz von Produktsoftware stecken zahlreiche wettbewerbsbezogene Gründe. Der größte Vorteil scheint die bessere Produktqualität zu sein. Fast die Hälfte (49 %) der befragten Unternehmen gab an, dass durch Softwarelösungen die Qualität ihrer Produkte verbessert wurde. Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass Unternehmen auf softwaregetriebene Innovation setzen, um ihre Fähigkeit zu verbessern, Produkte individuell zuzuschneiden, die Wiederverwendung zu verstärken, Produkte im Einsatz flexibel zu aktualisieren, die Produktkosten zu senken und die Produktentwicklungskosten zu reduzieren.

Die Herausforderungen

Die Umfrage ergab, dass trotz aller Wettbewerbsvorteile aufgrund der inhärenten Komplexität auch große Herausforderungen und betriebswirtschaftliche Nachteile mit der Entwicklung softwarelastiger Produkte verbunden sein können. Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat bei der Entwicklung von softwarelastigen Produkten Probleme mit der Produktqualität und Verzögerungen bei der Markteinführung zu verzeichnen.

Ein Hauptproblem ist die Verwaltung von Konstruktionsänderungen und der damit einhergehenden Abhängigkeiten. Mehr als die Hälfte (56 %) der Befragten bezeichnete dies als „bedeutende Herausforderung“ bei der Entwicklung von softwarelastigen Produkten. Viele der Schwierigkeiten ergeben sich aus der Tatsache, dass viele Hersteller unterschiedliche Plattformen für die Entwicklung der mechanischen, elektrischen und Softwarekomponenten verwenden. Das Änderungsmanagement bei Software ist kompliziert. Noch schwieriger wird es allerdings, wenn es aufs Engste mit Änderungen am Mechanik- und Elektronikentwurf koordiniert werden muss.

Zu den anderen genannten Problemen gehören die Verwaltung global verteilter Produktentwicklungsnetzwerke, die Entwicklung mit Varianten, die interdisziplinäre Integration und die Schaffung eines geschlossenen Systems von den Anforderungen bis zur Validierung. Fast die Hälfte der Befragten nannte das Testen und Validieren sowie die mangelnde Kommunikation zwischen den Abteilungen als weitere Probleme.

Die Umfrage zeigte auch, dass bestimmte Unternehmen bei der Entwicklung von Produkten mit elektrischen, mechanischen und Softwarekomponenten weniger Probleme verzeichneten als andere. Diesen Unternehmen waren die folgenden Merkmale gemeinsam:

– Einheitliche Arbeit mit integrierten Entwicklungsteams für Elektronik-, Mechanik- und Softwareentwicklung

– Verwendung von Systemmodellierung

– Vereinheitlichte oder integrierte Lösungen für die Entwicklung von softwarelastigen Produkten

– Einsatz von formellen Lösungen für das Daten-/Lebenszyklusmanagement, z. B. Produktlebenszyklus-Management (PLM) und/oder Application Lifecycle Management (ALM).

Erfolgstipps

Die Entwicklung softwarelastiger Produkte ist ein zweischneidiges Schwert. Sie kann dem Unternehmen einerseits wichtige strategische Vorteile bieten, aber andererseits auch die Komplexität der Produkte und der Produktentwicklung erhöhen. Viele Unternehmen haben mit der Systemmodellierung, der Verwendung von integrierten Konstruktionslösungen oder der Einführung eines Lebenszyklusansatzes zur Unterstützung der systemorientierten Produktentwicklung Möglichkeiten gefunden, die Komplexität zu beherrschen.

Der Ausbau von PLM-Lösungen bietet eine Möglichkeit, Teams miteinander zu integrieren, die Zusammenarbeit zu verbessern und die Produktentwicklung innerhalb der Lieferkette und im gesamten Produktlebenszyklus transparent zu machen. Hersteller mit einem strukturierten Daten-/Lebenszyklusansatz können mit höherer Wahrscheinlichkeit die großen Vorteile der Entwicklung softwarelastiger Produkte realisieren. Sie können die vollständige Umfrage mit dem Titel Developing Software-Intensive Products kostenlos von der Website von Tech-Clarity herunterladen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Die Konstruktion neu erfunden und getagged , , . Bookmarken: Permanent-Link. Trackbacks sind geschlossen, aber sie können Kommentieren.

Einen Kommentar schreiben

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title="" rel=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <pre> <q cite=""> <s> <strike> <strong>