Fragen an einen Creo Kunden: Konzeptentwicklung und direkte Modellierung

RKS Design gilt seit langem als eines der 10 führenden Industriedesign-Unternehmen in Nordamerika. Ich berichtete bereits, dass Vice President und Creative Director Lance Hussey ein Webinar mit dem Titel Die besten Tipps für die Auswahl von Konzeptentwicklungssoftware präsentieren wollte.

Er zeigte uns einige faszinierende, innovative Entwürfe von RKS und erklärte, wie sie realisiert wurden. Am Ende der Live-Veranstaltung kamen einige sehr gute Fragen aus dem Publikum, die von Lance und dem Technical Sales Manager für Creo, Paul Hamilton, beantwortet wurden.

Viel Spaß beim Lesen des Transkripts der Live-Fragen und -Antworten: Fragen und Antworten mit Lance Hussey (RKS) und Paul Hamilton (PTC)

F: Warum halten Sie die direkte Modellierung für den besseren Ansatz für die Konzeptentwicklung?

LH: Bei unserem Prozess müssen wir flexibel in der Lage sein, unsere Entwürfe zu ändern und in verschiedene Richtungen zu entwickeln, um eine Lösung zu finden. Die direkte Modellierung ist sehr schnell. Die verlaufsbasierte Modellierung ist fantastisch und hat ihre Berechtigung, aber sie ist eben nicht vergleichbar. Da wir am Anfang wirklich sehr viel ändern müssen, können wir nur mit der direkten Modellierung wirklich schnell agieren. Sie bietet im Hinblick auf den Gesamtprozess enorme Vorteile.  Die Ingenieure können die Software einfach bedienen, ohne wissen zu müssen, wie die einzelnen Komponenten zusammenpassen, oder sich mit Prozessen abmühen zu müssen – sie können einfach alles so erstellen, wie sie es sich vorstellen.

F: Verwenden Sie für die Konzeptentwicklung auch andere Tools wie Skizzen oder fotorealistische Darstellungen?

LH: Auf alle Fälle. Es gibt keinen Ersatz für manuelle Skizzen, wir arbeiten sehr viel damit. Außerdem verwenden wir Illustrator und ähnliche Programme, um unsere Entwürfe zu visualisieren, bevor wir im 3D-System weitermachen. Doch bei engen Zykluszeiten oder schwer verständlichen Konzepten, die aber einfach genug für ein 3D-Modell sind, ist die 3D-Modellierung von Vorteil. Mit der direkten Modellierung lässt sich ein 3D-Konzept in etwa genauso schnell erstellen wie ein 2D-Konzept, je nach Detaillierungsgrad.

F: Ist es wichtig, auch die Entwürfe, die von den Kunden nicht ausgewählt werden, zu verwalten und zu verfolgen?

LH: Ja, das ist eine sehr gute Frage: Was passiert mit der ganzen Bandbreite von Entwürfen? Wenn nur einer weiterentwickelt wird, was geschieht mit den anderen? Ich meine, gerade bei der Produktentwicklung sollten diese Entwürfe bei ähnlichen Aufgabenstellungen in der Zukunft berücksichtigt werden.  Es ist wichtig, sich die Entwürfe noch einmal anzuschauen und zu verstehen, wo ihre Stärken liegen. Vielleicht kann man sie ja sogar für völlig andere Produkte übernehmen. In der Regel speichern wir sie in der Datenbank.

F: Wie viele Entwurfsalternativen loten Sie während der Konzeptentwicklung üblicherweise aus?

LH: Das hängt davon ab. Bei manchen Projekten sind es vielleicht drei Alternativen, bei anderen 20. Je nach Projekt und Erwartungen des Kunden.  Doch im Durchschnitt fertigen wir drei bis fünf Alternativen an und ziehen zwei oder auch nur eine in die engere Wahl. Manchmal gibt es mehr Optionen, die ausgelotet und aussortiert werden müssen. Wir erstellen dann eben mehr 3D-Entwürfe, bevor wir uns auf eine Richtung festlegen, in die wir die Entwicklung fortsetzen.

F: Gehen Sie bei der Konstruktion nach einem Phasen-Gate-Prozess vor? Wenn ja, können Sie uns diesen Prozess oder Ihre Ideen für eine schnellere Entwicklung vom Konzept bis zur Produktion verraten?

LH: Ja, wir arbeiten nach dem klassischen Konstruktionszyklus. Wir entwickeln einen vorläufigen Entwurf mit Prüfpunkten, und dann entscheiden wir bei der Auswahl, wie wir weiter vorgehen. Dieser phasenweise Ansatz kommt vor Strategieentwicklung und Marktforschung, die erst später eingebunden werden. Das Schöne an unserem Team ist, dass einige Designer auch an der strategischen Ausrichtung und Marktforschung beteiligt sind.  Das ist äußerst nützlich, da wir dieses Wissen und diese Daten in den Ressourcen für unsere Kunden und/oder in den eigentlichen Konstruktionen umsetzen. Die Ergebnisse aus Strategieentwicklung und Marktforschung fließen dann in die klassischen Konstruktionszyklen ein.

F: Ist die direkte Modellierung auch über die Konzeptentwicklung hinaus sinnvoll?

LH: Gute Frage. Es gibt einige wesentliche Merkmale der direkten Modellierung, die sie in verschiedenen Bereichen der Produktentwicklung äußerst nützlich machen.  Es gibt gewiss Unternehmen, die sie durchgängig vom Konzept bis zum fertigen Teil einsetzen. Manche Eigenschaften, die auch Lance bereits erwähnte, machen sie äußerst schnell. Wenn es um Geometrie und ihre Validierung geht, gibt es keine schnellere Möglichkeit. Und dann ist da noch die von Lance angesprochene Flexibilität – die Möglichkeit, mit der Geometrie unabhängig davon zu interagieren, wie oder wo sie erstellt wurde. Wenn wir direkt mit der Geometrie arbeiten (wie bei der direkten Modellierung), ist es egal, aus welcher Quelle sie stammt. Es ist nicht von Bedeutung, wie und mit welchem CAD-Tool sie erzeugt wurde – es ist einfach nur Geometrie. Und Geometrie ist bei der direkten Modellierung das Masterdokument. Insofern bietet sich die Konzeptentwicklung natürlich geradezu für die direkte Modellierung an. Die direkte Modellierung ist aber auch hervorragend für die Angebotserstellung geeignet. Wenn Sie Geometrie für Angebote erzeugen und schnell validieren lassen müssen, gibt es keine schnellere Möglichkeit als die direkte Modellierung. Ein weiterer Bereich, in dem die direkte Modellierung in Unternehmen zum Einsatz kommt, ist die Vorbereitung von Modellen für die Analyse sowie ggf. die Vereinfachung und die Auflösung von Features für die FEA. Manchmal soll der negative Raum für die Strömungssimulation und Ähnliches extrahiert werden.  Es gibt also eine Vielfalt von Bereichen, in denen Sie die direkte Modellierung wertschöpfend einsetzen können.

Das aufgezeichnete Webinar ist jetzt auch On-Demand abrufbar.

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