Die US-Fertigung ist nicht tot, sie verändert sich nur

Um es mit Mark Twain zu halten: Berichte über den Niedergang der US-Fertigungsindustrie waren eine starke Übertreibung. Ja, sie hat harte Zeiten durchlebt. Ja, die amerikanische Wirtschaft leidet seit Jahren unter einer tiefen Rezession. Und ja, die Fertigungsindustrie, einst das Fundament der US-Wirtschaft, hat einen Niedergang erlebt wie noch nie in der amerikanischen Geschichte. Es gibt viele Gründe für diese harsche Realität.

Die Offshoring-Politik amerikanischer Unternehmen hat sicher viel zu dem beträchtlichen Stellenabbau unter Fabrikarbeitern beigetragen. Tatsächlich sind in den letzten zwanzig Jahren fast sechs Millionen – das entspricht einem Drittel – aller Stellen in der Fertigung verloren gegangen. Die Zahl der Offshore-Arbeiter, die von US-amerikanischen Unternehmen im Ausland beschäftigt werden, hat sich im gleichen Zeitraum fast verdoppelt.

China hat die USA als weltgrößten Hersteller überholt und damit die amerikanische Vorherrschaft in der Fertigung nach 110 Jahren zu Ende gebracht. Können wir den Unternehmen, die eine Möglichkeit gesucht haben, ihre Waren billiger zu produzieren, die Schuld geben? Immerhin ist es aufgrund des internationalen Wettbewerbs so schwierig wie noch nie, Gewinne zu erzielen.

Darüber hinaus sind viele der Überzeugung, dass der Rückgang in der Fertigung die natürliche Folge des Übergangs zur Dienstleistungsgesellschaft und Offshoring das unvermeidliche Ergebnis des freien Handels ist. Immerhin waren vor 100 Jahren noch 40 Prozent aller Menschen in der Landwirtschaft tätig, während es heute nur noch 2 Prozent sind. Trotz dieser traurigen Statistik bleibt die Fertigung ein zentraler Bestandteil der Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten und eine wichtige Grundlage für zukünftigen Wohlstand.

Die Fertigung ist der kapitalintensivste und produktivste Wirtschaftssektor und der Schlüssel zur Entwicklung und Kommerzialisierung neuer Technologien. Die Fertigung weist außerdem die höchsten Beschäftigungszahlen und die höchste Multiplikatorfunktion auf, sie schafft viele indirekte Stellen und ist ein wichtiger Katalysator für ein Wirtschaftswachstum auf breitem Feld.

Sie spielt auch eine zentrale Rolle dabei, ob die USA in der Lage sind, ihr enormes Außenhandelsdefizit abzubauen. Fabriken werden intelligenter Man kann zwar kaum behaupten, dass die Fertigung nicht rückläufig sei, doch es gibt im kommenden Jahr durchaus Grund zum Optimismus. Laut dem Bericht der Schwartz Initiative on American Economic Policy zum Thema Wachstum in der Fertigung ist die Fertigungsindustrie noch lange nicht tot.

Sie verändert sich lediglich. Der Trend hin zu fortschrittlichen Fertigungsverfahren verspricht eine Renaissance für einen der kulturell und substantiell bedeutsamsten Sektoren der amerikanischen Wirtschaft. Laut dem Bericht durchläuft die Fertigungsindustrie in den USA derzeit eine Phase des Übergangs. Die Unternehmen, die sich in dieser Phase weiterentwickeln, werden gestärkt und wettbewerbsfähiger daraus hervorgehen.

Die Tage harter körperlicher Arbeit oder der Bedienung von schweren Maschinen sind vorbei. Der Sektor durchläuft einen Wandel von einem wenig technologisierten, aber arbeitsintensiven hin zu einem technologieintensiven, hoch produktiven Wirtschaftszweig, dem Herzstück der Innovationssysteme der USA.

Laut Schwartz-Bericht fasst angesichts einer Vielzahl von bahnbrechenden Fortschritten bei Technologie, Produktivität und Management eine neuartige Fertigungsindustrie Fuß. Diese neue, „fortschrittliche“ Fertigung ist gekennzeichnet durch moderne Anlagen, die äußerst technologielastig sind und es den Herstellern ermöglichen, präziser und produktiver zu arbeiten.

Der Übergang zur fortschrittlichen Fertigung wird die Rolle dieses Sektors bei der Förderung von Innovation und der Entwicklung und Kommerzialisierung neuer Technologien weiter stärken. Zukunftsorientierte Fertigungsindustrien wie die Halbleiter-, Computer- oder Pharmaindustrie, Technologien für saubere Energie oder die Nanotechnologie werden eine übergeordnete Rolle bei der Generierung der neuen Technologien, Produkte und Prozesse übernehmen, die letztendlich das Wirtschaftswachstum vorantreiben.

Für die moderne Fertigung werden Fachkräfte benötigt Je moderner die Fertigungswerke werden, umso besser müssen die dort beschäftigten Arbeiter ausgebildet sein. Die Fabrikarbeiter von heute arbeiten nicht mehr an Pressen oder Handwerkzeugen, sondern bedienen computergesteuerte Präzisionsanlagen, um komplizierte medizinische Geräte zu bauen, neue Medikamente herzustellen oder Windräder zusammenzubauen.

Diese neuen Fabrikarbeiter benötigen zahlreiche Qualifikationen. Unter anderem müssen sie in der Lage sein, Prozesse aufzusetzen und auszuführen, sie benötigen Konstruktions- und Entwicklungsfähigkeiten, um diese Prozesse kontinuierlich zu verbessern, und sie müssen Wartungs- und Reparaturtätigkeiten sowie die Lieferkettenlogistik beherrschen.

Dieser dynamische Wandel wird eine Bildungsreform notwendig machen, um den Einzelnen die Fähigkeiten zu vermitteln, die sie für eine erfolgreiche Laufbahn in der modernen Fertigung benötigen. Hierzu gehören die verstärkte Förderung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) in den Schulen sowie Anreize für Unternehmen, damit sie fortbildungswilligen Arbeitern On-the-Job-Schulungsmöglichkeiten anbieten.

Wie es aussieht, sind die Arbeitskräfte in den USA diesen Veränderungen allerdings derzeit nicht gewachsen. Laut National Council for Advanced Manufacturing gaben mehr als 80 Prozent der Unternehmen bei einer Umfrage der National Association of Manufacturers (NAM) an, unter einem Fachkräftemangel zu leiden, infolgedessen es nahezu unmöglich sei, das erforderliche Produktionsvolumen zu erreichen, die Produktivität zu erhöhen und der Kundennachfrage nachzukommen.

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