Verbraucher am Steuerrad der Produktinnovation

Traditionell gilt die Produktentwicklung als Aktivität, die von Herstellern durchgeführt wird. Kunden werden nicht als integraler Bestandteil des Prozesses, sondern lediglich als Verbraucher der Produkte betrachtet. Diese Wahrnehmung hat sich mittlerweile allerdings verschoben. Heute sind es die Verbraucher, die vorgeben, welche neuen Produkte weltweit entwickelt und verkauft werden. Die Konsumenten spielen nicht nur eine zentrale Rolle für die Innovation, sondern entwickeln oft sogar selbst Produkte.

Aktuelle Untersuchungen der Fakultät für das Management von Technologie und Innovation am MIT zeigen, dass moderne Verbraucher kollektiv massive Mengen an Produktinnovationen generieren und damit Unternehmen aufschrecken, die sich am hart umkämpften Weltmarkt behaupten müssen. In drei Studien wurde erstmals die Rolle von Verbrauchern für die Produktinnovation in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien und Japan untersucht.

Dabei stellte sich heraus, dass in allen drei Ländern Millionen von Bürgern innovative Konsumgüter für ihre individuellen Bedürfnisse erstellen und anpassen. Ein Grund dafür ist, dass es immer einfacher wird, eigene Entwürfe zu erstellen und zu produzieren. Der Preisverfall bei computergestützten Konstruktionstools setzt sich ungebremst fort, und viele gute Systeme sind mittlerweile kostenlos im Internet zu finden. Dabei werden diese Tools immer besser und benutzerfreundlicher.

Die fertigen Entwürfe können dank neuester Rapid Manufacturing-Verfahren von den Verbrauchern mit relativ geringem Aufwand produziert werden. Die Preise für 3D-Drucker sind rapide gesunken, sodass die Technologie für eine viel breitere Anwendergruppe interessant ist. Verschiedene Unternehmen spezialisieren sich auf die unterschiedlichen Verfahren, vom Laserschneiden bis zum 3D-Druck, um hochwertige Teile oder ganze Produkte einzeln und zu angemessenen Preisen herzustellen.

Die Studie zeigte, dass viele Verbraucher zwar innovative neue Produkte entwickeln, aber nur selten Maßnahmen treffen, um ihre Erfindungen vor Nachahmern zu schützen. Andere Verbraucher hingegen passen eine beträchtliche Zahl dieser Innovationen weiter an. Was bedeutet das für Unternehmen in der Fertigung? Diese Erkenntnisse bedeuten, dass Konsumgüterhersteller über ein unerwartetes „Front-End“ von kostenlosen, innovativen Entwürfen verfügen, die sie als wichtiges Ausgangsmaterial für ihre eigenen Innovations-Pipelines für eine Vielzahl von Märkten nutzen können.

Produktentwickler müssen darüber nachdenken, wie sie ihre Produktentwicklungsprozesse so umstrukturieren, dass sie von Verbrauchern entwickelte Prototypen aufgreifen und ausbauen können. Sie müssen sich genau ansehen, wie sie ihre derzeitige Prozesse für Ideengenerierung und Konzeptentwicklung anpassen können, um die Ideen von Konsumenten zu berücksichtigen und in ihre Innovations-Pipeline aufzunehmen. Außerdem müssen sie feststellen, wie sie vielversprechende Innovationen von Verbrauchern identifizieren können, die in Konsumentengruppen immer mehr Anklang finden.

Frühere Untersuchungen zur Anwenderinnovation zeigten, dass sowohl im Consumer- als auch im Business-to-Business-Markt manche Anwender, die so genannten „Lead User“ oder „trendführenden Kunden“, eher kommerziell erfolgreiche Innovationen entwickeln als der Durchschnittskunde. Es gibt bewährte Methoden, um diese trendführenden Kunden zu identifizieren, und Unternehmen können die notwendigen Schulungsunterlagen kostenlos vom Internet herunterladen.

Was lernen wir daraus? Unternehmen müssen Innovation durch Nutzer unterstützen. Schließlich ist es Innovation, die sie letztendlich von ihren Mitbewerbern abhebt und für Erträge sorgt. Suchen Sie nach Möglichkeiten, sich mit Verbrauchern auszutauschen, indem sie Verbraucher-Community-Websites aufbauen bzw. besuchen oder Innovationswettbewerbe ausschreiben, um neue Produktideen von Kunden zu erhalten. Erstellen Sie dokumentierte, offene Schnittstellen oder auch so genannte „Entwickler-Toolkits“, um Änderungen an Produkten zu erleichtern.

Die Kosten für Innovationen von Konsumenten fallen aufgrund von besseren und kostengünstigeren Konstruktionstools, der besseren und günstigeren Kommunikation über das Internet und der Bildung von Gruppen sowie dank optimierter und kostengünstigerer Anlagen für den Prototypenbau. Jedes Unternehmen in der Fertigung sollte entsprechend umdenken und verbrauchergetriebene Innovationen nutzen und weiterentwickeln. Sorgen Sie jetzt für die passenden Prozesse, und lassen Sie in Zukunft Ihre Kunden Ihre Produktinnovationsbemühungen vorantreiben.

Bild: Ben McLeod

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