Plädoyer für die 2D-Konstruktion

Trotz aller Marketingbemühungen von CAD-Anbietern und überzeugender Artikel in Fachzeitschriften über die Vorteile der 3D-Konstruktion gibt es immer noch Unternehmen, die ihre Produkte in 2D entwickeln. Denken Sie nur an die Millionen von AutoCAD-Anwendern, die auch heute noch mit dem Topseller im 2D-Produktentwicklungsmarkt arbeiten.

In einer von PTC durchgeführten Umfrage zu den CAD-Trends in der Produktkonstruktion wurden mehr als 7.000 CAD-Nutzer, technische Leiter und internationale Führungskräfte in der Fertigung gebeten, ihre CAD-Nutzung zu bewerten. Fast die Hälfte der Befragten (47,3 %) verwendet immer noch eine Mischung aus 2D- und 3D-Konstruktionstools, und mehr als 10 Prozent nutzen ausschließlich 2D. Weitere 41,2 Prozent arbeiten vorwiegend mit 3D-Konstruktionssoftware.

Die Frage ist also: Warum werden so viele Produkte immer noch in 2D konstruiert? Ja, die Vorteile wurden von verschiedenen Marktforschungsunternehmen und auch Endanwendern massiv beworben und auch bestätigt. Ja, die Preise für 3D-Konstruktionssoftware und die entsprechende Hardware sind in den letzten Jahren in den Keller gegangen. Ja, Studenten im Ingenieurswesen beherrschen die 3D-Konstruktion inzwischen lange vor ihrem Abschluss. Vielleicht hat sich die Argumentation für einen Wechsel zu 3D verändert und es geht jetzt mehr darum, wie 2D und 3D optimal miteinander genutzt werden können.

Bei der Frage nach den Hauptvorteilen der vorwiegenden Verwendung der 2D-Konstruktion teilten sich die Teilnehmer der PTC Umfrage in zwei etwa gleich große Lager. Etwas mehr als die Hälfte (52 %) meinte, der größte Vorteil sei, dass wichtige Teammitglieder die 2D-Konstruktion beherrschten, während 47 % angaben, dass dadurch die Arbeit mit Altdaten erleichtert werde; weitere 44,6 Prozent nutzen 2D, weil es kostengünstiger ist.

Warum 2D immer noch eine Rolle spielt

Es gibt eine Reihe von Entwicklungsbereichen, für die keine anspruchsvolle 3D-Konstruktion erforderlich ist. Für Produkte, die axial perfekt symmetrisch sind, reicht ein 2D-Entwurf wahrscheinlich aus. Manche Rohrverlegungsentwürfe, Anlagenlayouts, Blechentwürfe, Prozesspläne, Elektronik- und Platinenentwürfe (bei denen es nicht auf die Verpackung ankommt) sowie der traditionelle Maschinenanordnungsentwurf lassen sich in 2D effizienter anfertigen.

Hybride 2D/3D-Konstruktionsumgebungen sind im Maschinenbau immer noch weit verbreitet. Elektrische Systementwürfe und Leiterplatten-Schaltbilder bleiben die Stärken der 2D-Konstruktion, auch wenn Experten anführen werden, dass sich mit der 3D-Konstruktion Konnektivitätsentwürfe leichter erstellen und Verlegungsprobleme bei Kabelbäumen schneller lösen lassen.

Die Konzeptentwicklung ist ein weiterer Bereich, in dem die 3D-Konstruktion unter Umständen nicht nötig ist. Für Designer ist es einfacher und schneller, ein Konzept mit 2D-Tools anzufertigen. Der Schlüssel dabei ist, die 2D-Daten digital zu erfassen, damit sie als Grundlage für das 3D-Modell genutzt werden können, sobald die Detailkonstruktion beginnt. Viele Anbieter von 3D-CAD-Systemen arbeiten daran, flexible 2D-Konstruktionstools in ihre 3D-Konstruktionssoftware einzubinden, um die Konzeptentwicklung und den Layoutentwurf zu unterstützen.

Tatsache ist: Trotz aller Vorteile der 3D-Produktkonstruktion ist verlaufsbasierte parametrische 3D-Modellierungssoftware extrem komplex. Für einfache Produkte lohnt sich die Umstellung einfach nicht. Es gibt jedoch direkte 3D-Modellierungstools, die einfacher zu erlernen sind und den Anforderungen vieler 2D-Anwender genügen. Sie sind flexibel, intuitiv in der Anwendung und ermöglichen die Geometriemanipulation ohne zahlreiche Randbedingungen oder voneinander abhängige Konstruktionselemente.

Viele der 2D-Anwender, die an der PTC Umfrage teilgenommen haben, erwägen allerdings eine mögliche Umstellung auf 3D. Hierfür haben sie unzählige Gründe. Nur 10 Prozent der Befragten wollten unbedingt bei der 2D-Konstruktion bleiben. Von den übrigen plant fast ein Drittel (28,3 %) in Zukunft die Einführung der 3D-Konstruktion, während 34,7 Prozent eine Umstellung in Betracht ziehen, aber noch keine Entscheidung getroffen haben.

Bild: cesarharada.com

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