Schnellere Innovation in der Produktkonstruktion

Hersteller wissen, dass Innovation Grundvoraussetzung für die Entwicklung und den Bau erfolgreicher neuer Produkte ist. Innovation gilt außerdem als wichtiger Wirtschaftsmotor, insbesondere dann, wenn dadurch neue Produktkategorien und mehr Produktivität entstehen. Aber was ist Innovation im Zusammenhang mit der Produktentwicklung? Können Produktentwicklungsteams in ihren Produkten wirklich Innovation versprechen, oder sind die meisten neuen Produkte lediglich verbesserte Abwandlungen vorhandener Produkte?

Für viele Unternehmen beginnt die Innovation in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Die dort geborenen Ideen müssen vom Management genehmigt werden, das außerdem festlegen muss, welche Ideen von den Produktentwicklungsteams in welcher Reihenfolge verfolgt werden sollen. Die oberste Geschäftsleitung muss die Richtung für innovative Produktentwicklung vorgeben, indem sie die Kriterien festlegt, nach denen Chancen beurteilt werden, und Ressourcen zur Verfügung stellt, um Chancen, die diesen Kriterien entsprechen, nachzugehen.

In vielen Unternehmen beginnt der Innovationsprozess mit Fragen wie: Wird dieses Produkt einen noch unerfüllten Kundenwunsch zu einem vernünftigen Preis erfüllen? Die Antwort auf diese Frage zeigt, welche Innovationen am Markt auf Interesse stoßen könnten. Eine weitere Frage lautet: Passt dieses Produkt zu unseren derzeitigen Technologien, zu unserer Markenpolitik und unseren Herstellungsprozessen?

Öffnen des Innovationsprozesses

In großen Unternehmen durchlaufen neue Entwicklungsprojekte in der Regel immer enger werdende „Tore“, wodurch Kreativität oft schon im Keim erstickt wird. Eine neue Art der Ideengewinnung ist die „offene Innovation“. Der Begriff wurde von Henry Chesbrough geprägt, einem Professor an der University of California, Berkley. Bei der offenen Innovation fließt internes Wissen nach außen und externes Wissen nach innen mit dem Ziel, die interne Innovation zu beschleunigen.

Die Idee dahinter ist, dass Unternehmen es sich in einer Welt, in der das Wissen weit verteilt ist, nicht leisten können, sich ausschließlich auf ihre eigenen Forschungsergebnisse zu verlassen, sondern strategisch innerhalb und außerhalb der Unternehmensmauern nach Ideen suchen müssen. Das könnte heißen, Prozesse oder Erfindungen (z. B. Patente) von anderen Unternehmen zu kaufen oder zu lizenzieren. Die offene Innovation ist also das genaue Gegenteil der Art und Weise, wie Forschungs- und Entwicklungsabteilungen traditionell arbeiten.

Viele innovative Produktentwicklungsprogramme schlagen nicht aufgrund technischer Schwierigkeiten fehl, sondern aufgrund von organisatorischen Problemen. Aus organisatorischer Sicht müssen Unternehmen einen starken Fürsprecher (Sponsor) im Führungsteam festlegen, der für die Innovationsstrategie zuständig ist und dafür sorgt, dass definierte Tools, Prozesse, Verfahren und Schulungen für den Übergang von Ideen in die Entwicklungs-Pipeline vorhanden sind.

Außerdem müssen Hersteller klare Auswahl- und Filterkriterien definieren, um schlechte Ideen auszusortieren und sich auf die guten Ideen zu konzentrieren.

Durch die Öffnung ihres Innovationsprozesses können Unternehmen mithilfe von internen und externen Ressourcen schneller Ideen für neue Produkte generieren und globale Trends rascher identifizieren. Die Hersteller müssen lernen, das Innovations- und Ideenmanagement als echte unternehmerische Disziplin und Wachstumsstrategie zu behandeln.

Vermeiden des „Not-Invented-Here“-Syndroms (NIH)

Die Erweiterung von Chesbroughs Konzept der offenen Innovation ist das „Not Invented Here“-Syndrom. Dieser Begriff beschreibt eine Unternehmenskultur, bei der bereits vorhandene Produkte, Forschungsergebnisse oder vorhandenes Wissen aufgrund ihres externen Entstehungsortes nicht gekauft oder genutzt werden. In der Fertigung heißt das nichts anderes, als dass eine potenzielle Lösung oder eine neue Produktidee abgelehnt wird, nur weil sie nicht intern entwickelt wurde.

Das vorherrschende Symptom von NIH ist der Eifer, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Die Folgen sind Zeit- und Geldverschwendung sowie entgangene Chancen.  Tatsache ist, dass viele Unternehmen erfolgreiche neue Produkte geschaffen haben, indem sie eine vorhandene Idee oder ein vorhandenes Konzept auf neue oder verbesserte Weise verwendeten. Vorreiter, die auf echte Innovation setzen, suchen gezielt innerhalb und außerhalb der Unternehmensmauern nach den besten Ideen.

Angesichts der Globalisierung und der Vielfalt an innovativen Ideen sollte das NIH-Verhalten überdacht werden. Die Unternehmensleitung sollte darauf hinarbeiten, eine solche Unternehmenskultur zu verändern und die Zusammenarbeit mit Partnern sowie die Innovation zu fördern. „Nicht alle klugen Leute arbeiten für Sie“, meint Chesbrough. „Nutzen Sie die Erkenntnisse anderer, und Sie können spektakuläre Ergebnisse erzielen.“

Kunden eine Plattform bieten

Hunderte, tausende oder sogar Millionen Kunden nutzen Tag für Tag die Produkte Ihres Unternehmens. Wer wäre besser in der Lage, Vorschläge für zukünftige Produktmerkmale und Verbesserungen zu machen? Viele Unternehmer lassen ihre Kunden bei der zukünftigen Entwicklung ihrer Produkte mitreden.

Der Schlüssel zur erfolgreichen Einbindung von Kundenfeedback in den Innovationsprozess liegt darin, Fragen so zu stellen, dass als Antworten Herausforderungen formuliert werden, für die echte Lösungen gefunden werden können. So vermeiden Sie unzusammenhängende Ideen oder Vorschläge, die nicht realisierbar sind. Dank der sozialen Medien ist es für Unternehmen und Organisationen heute einfacher denn je, ein offenes Forum bereitzustellen, in dem Kunden ihre Meinungen, Beschwerden und Fragen zu aktuellen und zukünftigen Produkten austauschen können.

Der Austausch und die Zusammenführung von Kundenfeedback zu Ihren Produkten sollten eine zentrale Rolle in Ihrer Produktinnovationsstrategie spielen. Durch die Berücksichtigung von Kundenmeinungen bei der Produktkonstruktion wird der Zeitaufwand für Nacharbeit eingespart. Die Akzeptanz und Zufriedenheit der Kunden wird beschleunigt, weil diese wissen, dass ihre Meinung in das Design einfließt.

Bild: faith goble

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