Wachstum durch Akquisitionen

Eine Wachstums- und Expansionsmöglichkeit für Unternehmen besteht in der Übernahme eines anderen Unternehmens. Die Gründe für Akquisitionen sind vielfältig. Manchmal geht es darum, Kunden quasi mit zu „kaufen“. In anderen Fällen geht es darum, die Produkte oder Technologien des gekauften Unternehmens zu übernehmen. Sehen wir uns einmal genauer an, warum Unternehmen andere kaufen und welche Herausforderungen sie anschließend bewältigen müssen, um die unterschiedliche Unternehmenskultur und die verschiedenartigen internen Prozesse unter einen Hut zu bringen.

Es gibt viele verschiedene Arten von strategischen Übernahmen mit einer jeweils vollkommen anderen Zielsetzung. Bei den meisten Akquisitionen geht es zumindest in Teilen um die Schaffung eines neuen Kundenstamms. Durch den Kauf eines Unternehmens in derselben Branche, aber einer anderen Region können Unternehmen auf einfache Weise ihre Marktpräsenz, die Markenbekanntheit und den Markterfolg in der betreffenden Region verbessern.

Eine weitere Strategie ist der Kauf eines Unternehmens, um in einem anderen Marktsegment Fuß zu fassen. Eine weitere Triebfeder ist die Verbesserung der Gewinnmargen durch höhere Auslastungsquoten für Anlagen und Geräte. Ein Hersteller, der nur 60 Prozent seiner Kapazität ausschöpft, könnte beispielsweise einen kleineren Hersteller aufkaufen und anschließend wieder abstoßen, dabei aber einen Teil der Anlagen zurückbehalten, um die eigene Gesamtkapazität zu erhöhen. So könnte der Hersteller neue Kunden bedienen und die Fixkosten senken, was wiederum die Gewinnmargen erhöht. Häufig kaufen Unternehmen Hersteller eines Komplementärprodukts, das von derselben Kundenbasis genutzt wird. Ein weiterer Grund für strategische Übernahmen ist der Erwerb neuer Technologie.

Das ist eine hervorragende Wachstumsstrategie, da dabei die Kosten für Forschung und Entwicklung entfallen und die Time-to-Market des Käufers verbessert wird. Unabhängig von der Motivation hinter Akquisitionen ist es extrem wichtig, dass die Unternehmensleitung jährlich die Unternehmensstrategie mit Blick auf Produkte, Märkte, Geografie und Wettbewerbssituation überdenkt, um festzustellen, ob zur Erreichung der Unternehmensziele oder Wachstumsvorgaben entsprechende Schritte notwendig sind.

Sobald ein geeignetes Unternehmen für den Kauf ausgewählt wurde, muss ein Übernahmeplan ausgearbeitet werden, in dem die Ziele, relevanten Branchentrends, der Deal Flow und ein Zeitplan für den Abschluss festgelegt werden. Darüber hinaus muss eine interne Arbeitsgruppe aus Vertretern aller wichtigen Abteilungen einschließlich technischer Entwicklung, Finanzwesen, Vertrieb, Marketing und operativem Geschäft aufgestellt werden. Erfahrene externe Berater wie Rechtsanwälte, Buchhalter, Investmentbanker und Gutachter können hinzugezogen werden.

Im Akquisitionsplan ist auf die Integration der aktuell in den beiden Unternehmen eingesetzten Prozesse und Technologien einzugehen. Die IT-Integrationsaktivitäten lassen sich in drei Kategorien untergliedern: Prozesse, Anwendungen und Infrastruktur. Bei der Prozessintegration geht es in erster Linie darum, gemeinsame oder neue Geschäftsprozesse zu identifizieren, die im zusammengeführten Unternehmen verwendet werden sollen. Für diese Prozessdefinitionen müssen dann entsprechende integrierte Anwendungen bereitgestellt werden.

Infolge von Akquisitionen gibt es in herstellenden Unternehmen oft mehrere CAD-Systeme. Die mangelnde Interoperabilität der unterschiedlichen CAD-Systeme kann die gemeinsame Nutzung von Konstruktionsdaten sowie die Zusammenarbeit in der Produktentwicklung behindern. Durch die Standardisierung auf ein einziges CAD-System profitiert das entstandene Gesamtunternehmen von besserer Zusammenarbeit, besserer Wiederverwendung von Konstruktionskomponenten, niedrigeren IT-Kosten, geringeren Softwarelizenzgebühren, einer einfacheren Integration mit PLM-Systemen sowie der Fähigkeit, Best Practices unternehmensweit gemeinsam zu nutzen. Dadurch kann die CAD-Konsolidierung den Unternehmen schließlich helfen, die Marktreife zu beschleunigen, die Kosten zu senken und die Qualität zu verbessern.

Vermeiden eines Kulturschocks

Auch wenn Akquisitionen oft aus markenpolitischen Gründen oder zur Erzielung von Synergieeffekten bei Kompetenzen oder Anlagen erfolgen, steht und fällt ihr Erfolg oft damit, ob Schritte zur Identifizierung und Aufrechterhaltung der wichtigen Wertekultur unternommen wurden, die diese wertvollen Ressourcen trägt und pflegt. Schätzungen zufolge sind 85 Prozent der erfolglosen Akquisitionen auf den falschen Umgang mit kulturellen Problemen zurückzuführen.

Der kulturelle Zusammenhalt ist oft der Punkt, der über den Erfolg oder Misserfolg einer Übernahme entscheidet und eine zentrale Rolle dafür spielt, in welchem Umfang Fachkräfte gehalten werden können. Besonders zukunftsorientierte Integrationsstrategien berücksichtigen auch zentrale Elemente von kaum greifbaren Kernkompetenzen wie Best Practices, Fähigkeiten, Wissensdatenbanken und Routinen einer Organisation.

Bei der Verschmelzung zweier Unternehmen sind Veränderungen für die Mitarbeiter nicht zu vermeiden. Häufig werden redundante Positionen abgeschafft. Neben der Angst um ihre Arbeitsstelle müssen die Mitarbeiter der zusammengeschlossenen Unternehmen unterschiedliche Verfahren erlernen und sich mit neuen Produkten und Organisationsstrukturen vertraut machen. Das Integrationsteam und die Führungskräfte der erwerbenden/fusionierten Gesellschaft haben die Aufgabe, die Ängste der Mitarbeiter abzubauen und den Lernprozess zu unterstützen, um so die unvermeidlichen Unebenheiten auf dem Weg zu einer erfolgreichen Akquisition zu glätten.

Bild: Lexinatrix

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