Bitte nur die Apps: Die Technologien hinter Creo

Nur noch wenige Wochen bis zur Veröffentlichung von Creo 1.0. Da ist es an der Zeit, über die Fakten zu sprechen. Wir haben hier ja bereits einiges über die neun Creo Apps geschrieben, die für die erste Version geplant sind. Dahinter steht jedoch eine Gruppe von bahnbrechenden Technologien.

Sandy Joung, Senior Product Marketing Director, sprach mit mir vor kurzem über zwei dieser Technologien: AnyBOM Assembly und AnyData Adoption.

GH: Beginnen wir mit AnyBOM Assembly in Creo. Welche Herausforderung wird damit gelöst?
Joung: Massenanpassung, Plattformentwurf und modulare Konstruktion gelten als die neuen Herausforderungen in der Fertigung. Sie können aber auch zu Schwierigkeiten beim Datenmanagement führen. Bei nur einigen wenigen Optionen gibt es bereits Zehntausende möglicher Produktkonfigurationen. Angesichts dieser Vielzahl von Möglichkeiten werden viele Produktvarianten nie modelliert, getestet oder korrekt dokumentiert. Nehmen wir als Beispiel einen großen europäischen LKW-Hersteller. Das Unternehmen liefert etwa 250.000 LKW pro Jahr aus. 150.000 davon sind individuelle Konfigurationen. Sie können sich vorstellen, dass es einfach zu unproduktiv ist, alle diese Konfigurationen traditionell in 3D zu erzeugen – insbesondere, weil immer mehr Kunden spezifische Informationen für ihre jeweilige Konfiguration wünschen.

GH: Und wie wird diese Problematik durch AnyBOM Assembly in Creo gelöst?
Joung:
Es ist schon lange möglich, ein 3D-Modell anhand einer Stückliste zu generieren. AnyBOM Assembly bietet jedoch neue bahnbrechende Möglichkeiten:

  • AnyBOM Assembly lässt sich noch fester mit Windchill verbinden, der PLM-Software von PTC, wo in der Regel die Geschäftslogik gespeichert ist, die gültige Produktkonfigurationen definiert.
  • AnyBOM Assembly unterstützt einen Top-Down-Ansatz mit einem visuellen Navigationssystem zur Auswahl der Produktoptionen. So entsteht die visuelle Struktur einer bestimmten Konfiguration.
  • Anschließend ermöglicht AnyBOM Assembly das automatische Generieren einer 3D-Konfiguration jeder gewünschten Produktvariante, sodass konfigurationsspezifische Service- und Produktionspläne entwickelt werden können.

Creo sorgt nicht nur absolut zuverlässig dafür, dass wirklich jede Konfiguration sofort in 3D dargestellt werden kann, sondern auch dafür, dass jeder in der Produktentwicklung diese seriennummernspezifischen Modelle für die verschiedensten Zwecke nutzen kann. Die damit erreichte Effizienz war noch nie zuvor durch Massenanpassung möglich.

GH: AnyBOM Assembly sollte erst in Creo 2.0 eingeführt werden. Hat sich an dieser Planung etwas geändert?
Joung: Genau, diese Technologie wird erst in Creo 2.0 implementiert, das im Frühling 2012* erscheinen soll. Weitere Informationen über Creo 2.0 werden im Laufe der Zeit bekannt gegeben.

GH: Gut, kommen wir zu AnyData Adoption in Creo. Welche Herausforderung geht PTC damit an?
Joung
: Asa Trainer, Director of Product Management bei PTC, sagt oft: „Die Produktentwicklung kann nicht in einem Vakuum existieren. Unsere Kunden müssen in der Lage sein, Informationen von ihren Zulieferern oder Kunden zu verwenden, auch wenn diese in einem anderen CAD-System erstellt werden.“ Deshalb ist AnyData Adoption ein zentraler Bestandteil der Vision und Strategie für Creo. AnyData Adoption ermöglicht die Nutzung von Daten in jeder Creo App, selbst wenn sie nicht mit PTC Produkten erstellt wurden.

GH: Wie wird AnyData Adoption in Creo 1.0 unterstützt?
Joung:
Wir haben gerade bei AnyData Adoption tolle Fortschritte gemacht. Die verfügbare Technologie ist wirklich beeindruckend. In Creo 1.0 werden viele der Apps sowohl das geometrielose als auch das präzise Laden von Modellen unterstützen. Die Apps Creo Parametric, Creo View MCAD und Creo Illustrate unterstützen das Konzept und die Verwendung von geometrielosen Modellen, beispielsweise für die Arbeit mit großen Datenmengen. [Anmerkung der Redaktion: Wir gehen auf dieses Konzept in einem späteren Artikel noch genauer ein.] Zunächst zu den Grundlagen: In Creo 1.0 sind Schnittstellen nach Branchenstandard (offene Schnittstellen) enthalten, die den bidirektionalen Datenaustausch ermöglichen. In Creo 1.0 können 3D-Daten im IGES-, STEP-, Parasolid-, ACIS- und DXF-Format in den Visualisierungs-Apps sowie in Creo Parametric und Creo Direct geöffnet und weiterverwendet werden. (Hinweis: IGES- und DXF-Daten können auch als 2D-Daten vorliegen.) Alle fünf Datenformate können gelesen und geschrieben werden. Mit Creo Direct können flexible Änderungen an den Geometriedaten vorgenommen und wieder in die Standardformate zurückgeschrieben werden. In Creo View MCAD können geometrielose oder präzise Versionen der Daten angezeigt und geprüft werden.

GH: Und wie sieht es mit direkten Schnittstellen zu CAD-Tools anderer Anbieter aus?
Joung: Auch da gibt es gute Neuigkeiten. In den parametrischen und direkten Modellierungs-Apps in Creo 1.0 sind mehrere direkte Schnittstellen verfügbar. In Creo 1.0 können SolidWorks-, Autodesk Inventor- und Autodesk AutoCAD-Dateien nativ ohne Konvertierung geöffnet werden. Zusätzlich gibt es Schnittstellen (als Zusatzprodukte) für Drittanbieter-CAD-Tools wie Siemens NX, CATIA V5 usw. [Anmerkung der Redaktion: Auf die Schnittstellen für die Creo Visualisierungs-Apps gehen wir in einem zukünftigen Artikel ein.]

GH: Ich nehme an, dass die Anwender der Creo Elements Produkte ihre Daten ebenfalls problemlos in Creo 1.0 weiterverwenden können?
Joung:
 Natürlich unterstützen wir für unsere eigenen Kunden Datenmigration auf allerhöchstem Niveau. Anwender von Creo Elements/Pro können Daten, Modelle und Baugruppenstrukturen, Produktmodellinformationen, Metadaten, assoziative Zeichnungen usw. in VOLLEM Umfang nutzen. Das heißt, Daten aus Creo Elements/Pro und früher sind vollständig mit Creo 1.0 und Creo Parametric aufwärtskompatibel. Anwender von Creo Elements/Direct können Volumenmodelle, Baugruppenstrukturen, Produktfertigungsinformationen (PMI) und 2D-Zeichnungen migrieren. Nutzer von Creo Elements/View können ihre Daten in VOLLEM Umfang weiter nutzen.

GH: Gibt es sonst noch etwas, was wir über die AnyData Technologien in Creo 1.0 wissen müssten?
Joung:
Ich möchte noch einmal die enormen Vorteile unserer skalierbaren Visualisierungsfunktionen betonen. Sie erhalten

  • interaktive Visualisierung unabhängig von der Dateigröße. Wenn Sie die Daten lediglich anzeigen oder sich schnell in einem umfangreichen Modell bewegen möchten, wird mit AnyData Adoption eine geometrielose Version der CAD-Daten geladen. Auf diese Weise können beliebig große Baugruppen jederzeit in Creo geladen werden.
  • CAD-agnostische Visualisierung. Wenn Sie den Inhalt modellieren oder analysieren müssen, können Sie das Lightweight-Modell im Handumdrehen in ein CAD-agnostisches Format konvertieren, das in vielen Creo Apps unterstützt wird.
  • Vollständig editierbare Ansichten. Wenn Sie die präzisen Daten bearbeiten müssen, können Sie eine vollständig editierbare Version der Daten erstellen, in der Sie Baugruppen manipulieren, neue Konstruktionselemente anwenden (Creo Parametric) oder die Geometrie direkt ändern können (Creo Direct). Das ist es, was das Besondere an AnyData Adoption ausmacht.

In zukünftigen Artikeln sehen wir uns die geometrielosen Versionen von CAD-Daten und JT, die für Creo 1.0 geplant sind, genauer an.

*Inhalte, Daten und andere Einzelheiten bezüglich noch nicht veröffentlichter Technologien können sich ändern.

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