Hinter den Kulissen: Die Überwacher – Scrum Master

Beim Scrum-Verfahren, dem agilen Produktentwicklungsprozess, der für die Entwicklung von Creo eingesetzt wird, spielt der Scrum Master, der sich voll und ganz auf den Scrum-Prozess und die Entwicklung von Creo 1.0 konzentriert – sozusagen als Überwacher, eine zentrale Rolle. Bei PTC sind die Scrum Master mit einzigartigen Talenten und gottgleicher Macht ausgestattet. Oft haben sie ihre Fähigkeiten bei der Verwaltung komplexer Projekte und der Überwachung von weltweit verteilten Entwicklungsteams erworben. Ich habe mich mit Shawn Bellmore, dem Scrum Master für die neue Creo App für direktes Modellieren (Creo Direct) über seine Aufgaben unterhalten.

GH: Können Sie Ihre Rolle beschreiben?
Bellmore: Es ist meine Aufgabe als „Scrum Master“, dafür zu sorgen, dass die Scrum-Prozesse eingehalten werden. Ich stelle sicher, dass die Teams die Regeln der agilen Vorgehensweise einhalten, die Sprints und Sprint Review wie geplant stattfinden und die Vereinbarungen erfüllt werden.

GH: Scrum Master werden oft auch als „Überwacher“ bezeichnet. Warum?
Bellmore: Eine zentrale Aufgabe besteht darin, so genannte Impediments zu entfernen, also alles, was die Fähigkeit des Teams beeinträchtigt, die Ziele und Lieferbestandteile eines Sprints zu erreichen bzw. zu liefern. Ich stelle sicher, dass das Team die vereinbarte Vorgehensweise einhält.

GH: Das hört sich ja etwas ominös an.
Bellmore: Eigentlich nicht – der Scrum Master ist der Puffer zwischen dem Team und allen störenden Einflüssen. Der Scrum Master sorgt dafür, dass der Scrum-Prozess wie beabsichtigt eingesetzt wird. Der Scrum Master setzt die Einhaltung von Regeln durch. Ein zentraler Teil der Aufgaben eines Scrum Masters besteht darin, das Team zu schützen und dafür zu sorgen, dass es sich auf die vorgesehenen Aufgaben konzentrieren kann. Ich möchte sicherstellen, dass jeder Sprint erfolgreich ist und dass wir die geplanten Ziele erreichen – ganz egal, was es kostet.

GH: Das hört sich sogar noch ominöser an. Hätten Sie ein Beispiel für einige störende Einflüsse und dafür, wie Sie sicherstellen können, dass sich das Team auf seine Aufgaben konzentriert?
Bellmore: Sie können sich vorstellen, dass in einer extrem dynamischen Umgebung schnell einmal während eines laufenden Sprints neue Anforderungen hinzukommen. Es kann passieren, dass das Team selbst eine Anforderung hinzufügt oder dass dies durch einen externen Einflussfaktor geschieht. Während eines Sprints darf dies nicht passieren.

GH: Aber das ist doch nicht schlecht? Man muss doch flexibel bleiben und auf äußere Einflüsse reagieren.
Bellmore: Es gefährdet aber den Sprint. Werden Anforderungen geändert oder hinzugefügt, kann dies die Ergebnisse beeinträchtigen, und das wiederum schadet dem Team. Die Flexibilität wird dadurch erreicht, dass Änderungen an den Anforderungen für den folgenden Sprint diskutiert werden, nicht für den laufenden.

GH: Sie schützen also das Team vor anderen und vor sich selbst. Wofür sind Sie sonst noch verantwortlich?
Bellmore:
Während eines Sprints sorge ich dafür, dass das Team täglich Meetings abhält („Daily Scrum“). Diese Meetings finden normalerweise immer am selben Ort und zur selben Zeit statt. Idealerweise ist dies am Morgen, da die Daily Scrums dazu dienen, den Kontext für die Arbeit des bevorstehenden Tages zu definieren. Wir nutzen Tools wie Windchill SocialLink, um das gesamte Team an jedem Standort und in jeder Zeitzone zu informieren und einzubeziehen.

GH: Wie ist der Ablauf der Daily Scrum-Meetings?
Bellmore:
Alle Teammitglieder sind zur Teilnahme verpflichtet, ggf. auch virtuell. Daily Scrums sind Besprechungen für das Team in Entwicklung und Qualitätssicherung. Scrum Master und Product Owner müssen nicht teilnehmen, aber das Meeting ist auch für sie hilfreich. Sie beteiligen sich zwar nicht an der Besprechung, erhalten aber wertvolle Informationen, die sie ggf. außerhalb des Meetings mit den Teammitgliedern besprechen können.  Allen anderen ist die Teilnahme an diesen täglichen Meetings nicht gestattet.

GH: Und der Fokus liegt auf der Lösung von Problemen, ist das richtig?
Bellmore:
Nein. Der Daily Scrum dient nicht zur Problemlösung oder Fehlerbehebung. Die angesprochenen Probleme werden unmittelbar im Anschluss an den Daily Scrum offline weiter bearbeitet, in der Regel in einer kleineren Gruppe. Während des Daily Scrum muss jedes Teammitglied die drei folgenden Fragen beantworten:

  1. Was hast du gestern getan?
  2. Was wirst du heute tun?
  3. Gibt es Schwierigkeiten (Impediments), die dich behindern?

Das Team konzentriert sich also darauf, was jeder Einzelne am Vortag geschafft hat und was heute geschafft werden soll. So gewinnt es einen vollständigen Überblick darüber, welche Arbeiten erledigt sind und was noch ansteht. Der Daily Scrum ist keine Statusbesprechung, bei der ein Vorgesetzter Informationen darüber einholt, wer hinter dem Zeitplan herhinkt. Stattdessen ist es ein Meeting, bei dem die Teammitglieder Vereinbarungen miteinander treffen. Wenn ein Programmierer sagt: „Heute mache ich das Dateiablagemodul fertig“, weiß jeder, dass er dem Team am nächsten Tag mitteilen wird, ob er fertig geworden ist. Das hat den wunderbaren Nebeneffekt, dass das Team sich der Bedeutung der getroffenen Vereinbarungen bewusst wird und weiß, dass es die Vereinbarungen miteinander trifft, nicht gegenüber einem weit entfernten Kunden oder Vertriebsmitarbeiter.

GH: Wird dabei überhaupt offensichtlich, wo die Probleme liegen?
Bellmore:
Ja, alle angesprochenen Probleme sollten möglichst schnell behoben werden. Typische Probleme sind:

  • Hilfe beim Debuggen eines Problems mit ______
  • Schwierigkeiten beim Einarbeiten in ______ und Bitte um Unterstützung
  • Probleme mit der Erreichbarkeit des technischen Supports beim Hersteller
  • Vorübergehende Beauftragung mit anderer Tätigkeit durch stellvertretenden Abteilungsleiter

Die Teammitglieder sind dafür verantwortlich, außerhalb des Daily Scrum mit den zuständigen Personen eine Lösung ihrer oft technischen Probleme zu finden. Was vom Team nicht selbst gelöst werden kann oder es von der Erledigung seiner Aufgaben während des Sprints abhält, wird an den Scrum Master eskaliert und von diesem bearbeitet.

GH: Gab es Probleme, die Sie nicht lösen konnten?
Bellmore:
Nein, denn es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diese eskalierten Probleme gelöst werden.

Ich kam nicht umhin, mir die Frage zu stellen, ob Sam auch mich als Problem betrachtete und mich bald „verschwinden“ lassen würde. In Zukunft wird es (hoffentlich) noch weitere Artikel aus der Reihe „Hinter den Kulissen“ geben, in denen wir über die Menschen und die Prozesse berichten, die hinter der Entwicklung von Creo 1.0 stehen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Hinter den Kulissen und getagged , , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Einen Kommentar schreiben

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title="" rel=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <pre> <q cite=""> <s> <strike> <strong>