Schutz von Ingenieurswissen

In allen Unternehmen gibt es wichtige Geschäftsgeheimnisse, die für das Wachstum und die Wettbewerbsposition des Unternehmens von Bedeutung sind und deshalb vertraulich bleiben sollen. Hierbei kann es sich um technische Informationen (Formeln, Konstruktionen, Tools, Fertigungsprozesse und Computer-Quellcode) oder um Geschäftsgeheimnisse (Kunden- und Mitarbeiterlisten, Finanz- und Buchhaltungsdaten sowie Produkt- und Marketingpläne) handeln. Derartige Informationen können für den Unternehmenserfolg von ausschlaggebender Bedeutung sein. Dennoch unternehmen viele Firmen wenig zu ihrem Schutz.

Zahlreiche Veränderungen im Geschäftsumfeld haben den Schutz von Ingenieurswissen noch schwieriger gemacht. Das moderne Geschäftsumfeld ist extrem dynamisch und muss sich zunehmend auf globaler Ebene behaupten. Hersteller müssen in der globalisierten Weltwirtschaft ausgedehnte Lieferketten verwalten, in denen externe Partner und Zulieferer an verschiedenen Standorten weltweit wichtige Funktionen von der Produktkonstruktion und -fertigung bis hin zum Produktsupport übernehmen.

Um sich gegen den Wettbewerb zu behaupten, setzen Hersteller zunehmend auf Outsourcing und Offshoring. Der Schutz von Konstruktionsdaten wird dadurch allerdings noch problematischer. Umso wichtiger ist es in diesem Fall, über eine genau definierte Strategie für den Umgang mit Risiken in der Lieferkette zu verfügen. Rasante technologische Veränderungen und die zunehmende Mobilität machen den Schutz von Ingenieurswissen noch komplizierter.  Die Gefahr, dass Ingenieurswissen gestohlen oder anderweitig gefährdet wird, gehört zu den größten Risiken in der Fertigung.

Dies kann zur Folge haben, dass Plagiate der vom Unternehmen entwickelten Produkte am Schwarzmarkt verkauft werden. Unabhängig davon, ob es sich dabei um einen tatsächlichen Diebstahl oder möglicherweise nur um ein unbeabsichtigtes „Informationsleck“ handelt, beispielsweise einen Mitarbeiter oder einen Lieferkettenpartner, sind die dadurch verursachten Kosten enorm. Nach Schätzungen der Weltzollorganisation beträgt der wirtschaftliche Schaden durch gestohlenes geistiges Eigentum weltweit etwa 500 bis 600 Milliarden US-Dollar an Umsatzeinbußen pro Jahr. Das entspricht etwa fünf bis sieben Prozent des Welthandelsvolumens. Das FBI schätzt, dass sich allein in den USA die Umsatzeinbußen infolge von Raubkopien und Produktpiraterie jedes Jahr auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar belaufen.

Schutz von Ingenieurswissen in der Produktentwicklung

Aufgrund der genannten komplexen Zusammenhänge ist geistiges Eigentum, das in Produkten und Produktkonstruktionen enthalten ist, so stark gefährdet wie noch nie. Um eine wirklich kollaborative Konstruktion zu ermöglichen, gehen Unternehmen ein höheres Risiko ein, dass ihr geistiges Eigentum gestohlen wird. Es ist daher unerlässlich, Strukturen, Geschäftsprozesse und Technologien für eine Zusammenarbeit unter Berücksichtigung des Schutzes des geistigen Eigentums zu implementieren. Unternehmen müssen zudem ihr geistiges Eigentum dokumentieren, es rechtlich schützen und Produktdaten durch verbesserte Schutzmechanismen und digitales Rechtemanagement sichern.

Eine Maßnahme, die Hersteller zum Schutz vor dem Diebstahl von geistigem Eigentum ergreifen, ist die Implementierung von PLM-Software (Produktlebenszyklus-Management). PLM-Systeme stellen ein zentrales Repository oder Depot zur Verfügung, in dem Daten aus mehreren Systemen in einer ausgedehnten globalen Lieferkette sicher aufbewahrt werden können. Die PLM-Plattform wird zum Mechanismus für den Austausch von Produktdaten zwischen den Mitgliedern des erweiterten Konstruktionsteams.

Ein PLM-System kann überprüfen, ob eine Person zum Zugriff auf die angeforderten Daten berechtigt ist. Auf diese Weise wird geistiges Eigentum effektiv geschützt, während zugleich der Produktentwicklungsprozess gestrafft wird. Alle Anforderungen von Produktdaten werden unabhängig davon, ob sie aus dem Unternehmen oder aus der Lieferkette stammen, in diesem zentralen System verarbeitet. Multinationale Projektteams können so effektiv zusammenarbeiten. Die einschlägigen Exportkontrollverordnungen, Gesetze zum Schutz von Handelsgeheimnissen sowie die Sicherheitsprotokolle der involvierten Länder werden dabei voll und ganz eingehalten.

Der Diebstahl von geistigem Eigentum bleibt zwar auch weiterhin ein großes Sorgenkind von internationalen Herstellern, ist jedoch eine Gefahr, die sie mit den entsprechenden organisatorischen und technologischen Maßnahmen angemessen abwehren können. Mit den richtigen Prozessen und Systemen können sich die Hersteller sicher am Weltmarkt behaupten, ohne dabei ihre wertvollen Datenbestände zu gefährden.

Bild: zebble

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