Warum kann CAD nicht einfacher sein?

Seit Jahren beschreiben Branchenanalysten 3D-CAD als ausgereifte Technologie. Manche gehen sogar so weit, es als Allerweltsanwendung zu bezeichnen. Wenn es allerdings darum geht, die Verwendung der Software zu erlernen, drängt sich ein ganz anderer Eindruck auf. Sollte Technologie nicht mit den Jahren einfacher und zugänglicher werden? Haben Sie schon einmal mit LISTSERV arbeiten müssen? Oder eine Telnet-Verbindung mit Ihrer Website herstellen oder die Uhrzeit auf Ihren elektronischen Geräten einstellen müssen? Wahrscheinlich mittlerweile nicht mehr so oft wie früher. Doch auch wenn alles andere einfacher wird, wird CAD scheinbar immer komplizierter. Konstrukteure und Ingenieure in der Produktentwicklung wissen, dass es bis zu drei Monaten mit theoretischen und praktischen Schulungen bedarf, bis man ein neues CAD-Werkzeug beherrscht. Welche anderen Tools erfordern heute noch einen so hohen Schulungsaufwand?

Leistung triumphiert über Benutzerfreundlichkeit
Es gibt einen Grund, warum Konstruktionssoftware so kompliziert ist: CAD-Ingenieure (und die Softwareanbieter, die sie bedienen) schätzen in der Regel Leistung mehr als Benutzerfreundlichkeit. Fortschritte bei der Benutzeroberfläche, Funktionsautomatisierungen und Spezialmodule verkürzen alle die Entwicklungszeit und erweitern den Funktionsumfang des 3D-CAD-Kernmoduls. Unglücklicherweise wird infolgedessen auch die Lernkurve mit jeder neuen Version immer steiler. Und das ist ein Problem.

Beschwerden über CAD
Im Oktober 2010 führte PTC eine Umfrage unter weltweit mehr als 4.000 Anwendern sämtlicher CAD-Produkte durch. Wir baten sie, ihre wichtigsten Frustfaktoren im Zusammenhang mit CAD zu nennen. Die Ergebnisse waren nicht überraschend:

  • 32 Prozent klagten über das Vornehmen von Änderungen an CAD-Konstruktionen, insbesondere, wenn diese von anderen Personen erstellt wurden.
  • 19 Prozent meinten, es gebe keine sinnvolle Möglichkeit, Daten aus mehreren CAD-Systemen produktiv zu nutzen.
  • 14 Prozent nannten Schwierigkeiten beim Erstellen/Validieren mehrerer Konfigurationen von umfangreichen, komplexen Produkten
  • 10 Prozent erhielten zu viele Anfragen von anderen Abteilungen.
  • 9 Prozent waren wegen der Schulung und des Mentorings für neue/weniger geschickte Anwender frustriert.

Fällt Ihnen bei den fett hervorgehobenen Ergebnissen etwas auf? Sie alle betreffen die Benutzerfreundlichkeit und machen mehr als die Hälfte aller Frustfaktoren von CAD-Nutzern aus! CAD ist nicht ausgereift CAD ist noch lange nicht ausgereift und ganz sicher noch keine Allerweltsanwendung. Es gibt ganz klar noch eine Reihe von großen Problemen und großen Chancen für innovative Lösungen.

  • Die Benutzerfreundlichkeit muss verbessert werden. Nicht nur für die heutigen Anwender, sondern für jeden, der an der Produktentwicklung beteiligt ist oder Änderungen vornehmen muss.
  • CAD-Lösungen müssen weniger monolithisch werden. Nahezu jeder Anbieter verfügt über eine einzelne, monolithische Anwendung, die jeder Rolle und jedem Benutzerniveau in der technischen Entwicklung und in der Fertigung gerecht werden soll.
  • Der Funktionsumfang kann nicht reduziert werden. Eine Vereinfachung würde die Experten in ihrer Produktivität beeinträchtigen, die sich mit einer neuen, vereinfachten Benutzeroberfläche und möglicherweise fehlenden Funktionen auseinandersetzen müssten.

Creo AnyRole App Strategie Wie wäre es, wenn bei CAD ein radikales Umdenken stattfinden würde? Wie wäre es statt mit einer einzelnen, monolithischen Anwendung für die verschiedensten Benutzer mit einer Reihe von Applikationen für die verschiedenen Rollen innerhalb eines Unternehmens? Diese Strategie hätte einige Vorteile:

  1. Die Experten unter den Anwendern müssten keine Verluste hinnehmen. Sie würden weiterhin das gesamte Funktionsspektrum wie heute nutzen und dabei nahtlos zwischen den verschiedenen Applikationen wechseln.
  2. Gelegentliche Nutzer würden mit Anwendungen arbeiten, die besser für ihre jeweiligen Anforderungen und Rollen geeignet sind. Diese Apps könnten einfacher werden, ohne überflüssige Funktionen und Komplexität.
  3. Nicht-Anwender könnten sich besser an der Produktentwicklung beteiligen. Stellen Sie sich einfache Anzeige- und Markierungs-Apps, Skizziertools und leicht zugängliche 3D-Modellierungsanwendungen vor, deren Verwendung sich jeder zutraut. Durch die Einbeziehung von mehr Personen in die Produktentwicklung steigen die Innovation und Kreativität, was letztendlich zu besseren Produkten führt.

Was denken Sie darüber? Könnten mehr Menschen zum Erfolg eines Produkts beitragen, wenn sie über geeignete Anwendungen verfügen würden, um ihre Ideen und ihr Feedback festzuhalten?

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