Chinas wachsende Präsenz in der Produktkonstruktion

Größe, Form und Farbe einer Währung sind schon lange nicht mehr wichtig. Der Dollar ist genauso schwach wie der Euro und der Yen. Eine langjährige globale Rezession in Verbindung mit einem verstärkten Wettbewerb hat viele der größten Volkswirtschaften der Welt stark in Mitleidenschaft gezogen. Die USA, die 2010 mengenmäßig noch die weltgrößte Fertigungsnation waren, werden diesen Titel dieses Jahr wohl an China abgeben müssen. China verfügt über billige Arbeitskräfte, günstiges Kapital, wird in puncto Qualität und Technologie immer stärker und wird in seinem Hunger, ein Stück von allen Industriemärkten der Welt für sich zu gewinnen, von seiner Regierung gefördert. All diese Vorteile führen dazu, dass chinesische Hersteller bei der Massenproduktion von Standardkonstruktionen kaum zu schlagen sind.

Wie sollen sich andere Unternehmen gegen die Konkurrenz aus Fernost behaupten? So sehr es auch schmerzt, den Kampf in der Fertigung zu verlieren, darf man die Produktentwicklung nicht aus den Augen verlieren. Aufgrund der zunehmenden Globalisierung und des internationalen Wettbewerbs wird die Konstruktion zunehmend zu einem Kostenfaktor und daher verstärkt ausgelagert.

China bietet sich als Ziel für einen Großteil dieser Arbeit dank der günstigen Arbeitskräfte, des großen Marktes, der Wachstumsrate und der wachsenden Reife seiner Konstruktionsfähigkeiten an. Um sich am boomenden chinesischen Verbrauchermarkt zu etablieren, richten viele europäische und US-amerikanische Firmen Produktentwicklungszentren in China ein. Damit verfolgen sie zwei Ziele: Erstens wollen sie einen Fuß in die Tür Chinas gewaltigen Verbrauchermarkt  bekommen und zweitens möchten sie Zugang zu den kostengünstigeren Produktentwicklungstalenten des Landes erhalten.

Zweifellos bringen chinesischen Universitäten immer mehr talentierte Konstrukteure hervor, wodurch die Gehälter in diesem Bereich weiter sinken. Heute gibt es an chinesischen Hochschulen mehr als 400 Ingenieursstudiengänge. Die genaue Zahl der Absolventen ist umstritten, weil in den Statistiken der chinesischen Regierung manchmal zweijährige betriebliche Ausbildungen mit vierjährigen Hochschulabschlüssen zusammengefasst werden, wie sie für Ingenieure in den Vereinigten Staaten üblich sind. Die meisten Quellen stimmen jedoch darin überein, dass China jährlich doppelt so viele Ingenieure hervorbringt wie die USA, Tendenz steigend.

Infolgedessen sind freiberufliche Konstrukteure in China günstiger. Zusätzlich nutzen immer mehr US-amerikanische und europäische Entwicklungsunternehmen die günstigeren Arbeitskräfte in China da das Bildungsniveau an den Hochschulen immer mehr zunimmt. Die großen Namen am chinesischen Markt wie Motorola, Nokia, Sony, Ericsson, General Motors, Siemens und Phillips haben bereits Forschungs- und Entwicklungszentren vor Ort eingerichtet.

Zusätzlich haben hunderte von Entwicklungsunternehmen aus den USA, Europa und Taiwan Konstruktionsbüros in Shanghai, Beijing und Guangzhou eröffnet, die oft sogar junge Konstrukteure aus dem Ausland anlocken. Diese Konstruktionsbüros werben mit europäischem und amerikanischem Knowhow sowie den deutlich niedrigeren Herstellungskosten in China. Die Löhne für Konstrukteure sinken kontinuierlich. Was jedoch in chinesischen Unternehmen fehlt, sind Führungskräfte mit Erfahrung im mittleren und gehobenen Management für die Ausarbeitung und Leitung von Produktentwicklungsprogrammen.

Das hat zur Folge, dass viele Konstruktionsbüros Entwicklungsleiter aus dem Ausland beschäftigen, was aufgrund der Mentalitätsunterschiede große Hürden mit sich bringt. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Chinesen ernsthaft in der Produktentwicklung mitmischen wollen, ist die Geschwindigkeit, mit der sie zukunftsfähige Technologien wie das Produktlebenszyklus-Management (PLM) einführen. Laut eines aktuellen Berichts von CIMdata wird PLM in China von der Mehrzahl der großen Hersteller eingesetzt, insbesondere in der Luft-/Raumfahrt-, Rüstungs- und Automobilindustrie sowie in Hightech-Unternehmen. Der PLM-Markt in China soll 2010 um 12 Prozent wachsen. Für den globalen PLM-Markt wird hingegen lediglich ein einstelliges Wachstum erwartet.

Werden die Unternehmen günstigere chinesische Konstrukteure beschäftigen, um Produkte für den amerikanischen, europäischen und japanischen Markt zu entwickeln? Werden die Chinesen bald Konstruktionen entwickeln, die früher nur im westlichen Industrienationen möglich waren? Noch gibt es keine Antworten auf diese Fragen. Die Vorstellung macht jedoch westlichen Konstrukteuren von London bis Los Angeles Angst, da sie befürchten, dass ihre Arbeitsplätze in kostengünstigere Büros in China abwandern könnten.

Was meinen Sie? Verlegt Ihr Unternehmen bereits einen Teil seiner Produktkonstruktionstätigkeit nach China oder ist dies beabsichtigt?

Bild: peruisay

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