Fragen an Mike Campbell von PTC

Mike Campbell, Divisional Vice President, Konstruktions- und Visualisierungsprodukte, gibt uns einen Überblick über die bahnbrechenden Technologien, mit deren Hilfe PTC mit Creo die CAD-Welt neu definieren wird.

Inwiefern unterscheidet sich die Creo Suite von Konstruktions-Apps des aktuellen Produkt-Portfolios von PTC?
Creo ist ein völlig neues CAD-Konzept, da es sich um eine skalierbare Suite von interoperablen Konstruktions-Apps handelt, die den kompletten Produktentwicklungsprozess abdecken und den vielfältigen Bedürfnissen der verschiedenen am Prozess beteiligten Rollen gerecht werden.

Inwiefern unterscheidet sich das Geschäftsmodell vom derzeitigen Angebot von PTC?
Bislang hatten wir so gut wie keine rollenbasierten Anwendungen im Angebot. Traditionell haben wir zusätzliche Module als Ergänzung zu den drei Hauptprodukten Pro/ENGINEER, CoCreate und ProductView angeboten. Wenn beispielsweise ein Produktmanager eine fotorealistische Abbildung eines Produkts benötigte, musste er Pro/ENGINEER kaufen und dann das Rendering-Modul verwenden. Das Rendering-Modul in Pro/ENGINEER ist zwar hervorragend, aber eben nicht ideal, weil ein Produktmanager in der Regel einfach nicht die Zeit hat, sich mit einem CAD-Tool auseinanderzusetzen, um eine fotorealistische Abbildung anzufertigen. Und so passierte Folgendes: Entweder bat der Produktmanager den Konstrukteur als 3D-CAD-Experten, die fotorealistische Abbildung zu generieren oder er verwendete ein anderes Tool speziell für das Rendern und war deshalb nicht in der Lage, die in Pro/ENGINEER bereits vorhandenen Daten zu nutzen. Hier sehen Sie mein iPhone: Ich habe darauf die verschiedensten Apps für bestimmte Aufgaben. Es gibt hier nicht eine einzige Riesenanwendung, die alles leisten soll. Nein, ich habe spezifische Apps für spezifische Aufgaben. Das ist eines der Grundprinzipien hinter Creo: jedem in der Produktentwicklung die richtigen Apps mit genau dem richtigen Funktionsumfang zur Verfügung zu stellen, nicht mehr und nicht weniger.

Die Kunden könnten sich also eine einzelne Anwendung kaufen, wenn sie das wollten?
Ja, einer der technologischen Durchbrüche von Creo ist das Konzept AnyRole Apps: das richtige Tool für den richtigen Benutzer und die richtige Aufgabe. Wir arbeiten derzeit an der Entwicklung dieser Apps. Natürlich müssen wir das Angebot der Konstruktions-Apps ausbauen, damit immer mehr Funktionen und Personen im Unternehmen die richtige Konstruktions-App für ihre Aufgaben finden. Zunächst konzentrieren wir uns auf etwa ein halbes Dutzend Apps. Mit Creo 1.0 werden wir neue Apps für die direkte und die parametrische Modellierung, die Konzeptentwicklung, die Visualisierung, technische 3D-Illustrationen und die Simulation anbieten.

Wie sichern Sie die Skalierbarkeit dieser Anwendungen?
Damit die Apps auch skalierbar sind, führen wir neue Konzepte ein, die in der CAD-Branche noch nie verwendet wurden. Wir müssen auf zweierlei Weise dafür sorgen, dass diese unterschiedlichen Apps perfekt funktionieren. Erstens benötigen sie ein allgemeines Datenmodell, das die nahtlose Interoperabilität all dieser unterschiedlichen Apps und Modellierungsansätze (2D-, direkte und parametrische 3D-Modellierung) unterstützt. Die Herausforderung besteht dabei ganz klar darin, die Konstruktionsabsicht über alle Apps und Ansätze hinweg beizubehalten. Und genau dafür haben wir eine Lösung gefunden. Das ist sozusagen die geheime Zutat, der technologische Durchbruch, den wir als AnyMode Modeling bezeichnen. Wir müssen außerdem dafür sorgen, dass die Creo Apps eine gemeinsame Grundlage hinsichtlich der Benutzeroberfläche, des Benutzererlebnisses und der Interaktion mit dem Modell aufweisen. Ich gehe davon aus, dass auch ein- und dieselben Personen in den verschiedenen Phasen des Produktentwicklungsprozesses unter Umständen unterschiedliche Konstruktions-Apps verwenden möchten. Ein Beispiel: Für die erste Konzeptskizze könnte der Konstrukteur eine andere Creo App verwenden als später für die Detailkonstruktion. Aber natürlich müssen alle diese Apps zusammen funktionieren. Wenn die Benutzer erst eine App für den Konzeptentwurf, dann eine für die direkte Modellierung und zum Schluss eine Rendering-App verwenden, erwarten sie, dass sie nahtlos zwischen den Apps wechseln und ihre Konstruktionsdaten problemlos zwischen ihnen verschieben können. Das ist die nächste Herausforderung, die wir mit Creo bewältigt haben: Alle Konstruktions-Apps arbeiten über ein allgemeines Datenmodell zusammen.

Das zentrale Datenmodellformat ist also für alle Anwendungen gleich?
Ja, das ist richtig.

Wie kann ein zentrales Datenmodell alle diese unterschiedlichen App-Typen und selbst die verschiedenen 3D-Modellierungsverfahren unterstützen?
Das ist ja genau der technologische Durchbruch, eine der Schwierigkeiten, die es uns gelungen ist zu bewältigen. Auch heute noch werden bei vielen Anbietern, die auf den ersten Blick unterschiedliche 3D-Modellierungsansätze in einem einzigen Paket vereinen, eigentlich separate Modelldateien erzeugt. Für die Kunden erweist sich dies unter Umständen als der totale Albtraum, weil sie herausfinden müssen, welche Modelldatei die richtige ist. Für Creo, definieren wir ein skalierbares, einheitliches oder allgemeines Datenmodell. Sie können sich das als Buch mit mehreren Kapiteln vorstellen. Jedes Kapitel enthält einen anderen Informationstyp. Ein Kapitel enthält die Informationen zur 2D-Geometrie, ein anderes Informationen zur 3D-Geometrie und ein drittes Kapitel grafische 3D-Informationen. In anderen Kapiteln finden sich PDM-Informationen, 3D-Zeichnungsinformationen bzw. Farb- und Attributinformationen. Wir erhalten also verschiedene Kapitel voller Informationen, aber sie befinden sich immer noch in einem einzigen Buch. Jede der Anwendungen liest das allgemeine Datenmodell, verwendet das Kapitel mit den benötigten Daten und schreibt dann nur dieses Kapitel wieder zurück.

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