Fixierung auf eine Technologie: Warum die Benutzer nicht zur Standardisierung auf ein einziges CAD-Tool gezwungen werden sollten

Mit zunehmendem Reifegrad des CAD-Markts und der CAD-Tools sahen sich viele Unternehmen gezwungen, sich für eine einzige CAD-Plattform zu entscheiden und diese als Unternehmensstandard festzulegen. Die Softwarehersteller schwärmen von den Vorteilen ihres Tools und ihrer Konstruktionsmethode und preisen ihre Lösung als das einzige Tool an, mit dem sich die Vorteile von 3D-CAD wirklich realisieren lassen. Dabei geht es nicht nur darum, die Erträge zu maximieren. Die meisten CAD-Anbieter drängen auf eine Standardisierung, um eine der größten verbleibenden Hürden am CAD-Markt zu umgehen: die Interoperabilität der verschiedenen CAD-Systeme.

Darüber hinaus lassen sich viele Kunden von den hohen Kosten abschrecken, die mit einem Systemwechsel einhergehen, sowohl für Anwenderschulungen als auch für die Software. Wenn die Entscheidung, welches Konstruktionstool oder -prinzip (also 2D-, direkte oder parametrische 3D-Modellierung) den einzelnen Benutzern überlassen bliebe, würden sie natürlich das Modellierungskonzept (und -tool) wählen, mit dem sie ihre Aufgabe am einfachsten und effizientesten erledigen können. Wir kennen das alle aus dem Alltag. Es gibt viele Möglichkeiten, ein Loch zu graben, vom einfachen Spaten bis zum Hochleistungsbagger. Der Mensch trifft in der Regel die „richtige“ Entscheidung für die konkrete Situation und Aufgabenstellung. In der Welt der CAD-Konstruktion ist dies allerdings traditionell nicht der Fall. Aufgrund der fehlenden Interoperabilität zwischen den verschiedenen Modellierungssystemen und der Notwendigkeit der gemeinsamen Datennutzung für alle am Konstruktionsprozess Beteiligten sind viele Unternehmen bestrebt, ein einziges Standardsystem und eine Standardmethode einzuführen. Die hierzu erforderlichen Kompromisse haben oft zur Folge, dass viele Benutzer über mehr Funktionen (und infolgedessen mehr Komplexität) verfügen, als sie eigentlich benötigen. Es ist, als erhielten alle einen Bagger, obwohl sie lediglich Blumen pflanzen sollen.

Einige Softwareanbieter behaupten zwar, ihr Tool deckt mehrere Methoden ab, aber aufgrund der Komplexität und Interoperabilitätsprobleme entscheiden sich viele Kunden nicht nur für ein einziges Tool, sondern auch eine einzige Methode. Idealerweise sollten die Softwarehersteller einen Satz von Lösungen auf einer allgemeinen Plattform anbieten, sodass alle Benutzer die Möglichkeit haben, ganz flexibel das Modellierungstool zu wählen, das für sie und ihre jeweilige Aufgabenstellung am besten geeignet ist. Für einige Benutzer ist die 2D-Konstruktion ideal, um schnell ihre Ideen festzuhalten und an ein breites Publikum weiterzugeben. Andere wiederum bevorzugen die direkte 3D-Modellierung, die in puncto Interaktion mit dem Modell mit der 2D-Konstruktion vergleichbar ist, aber zusätzlich die Vorteile und Leistung echter 3D-Modelle bieten (Kollisionsprüfung, Simulation, fotorealistische Abbildungen usw.). Dieses Konzept ist für viele im Konstruktionsprozess sinnvoll, beispielsweise für Analytiker und technische Kundenbetreuer. Die parametrische 3D-Modellierung ist am anspruchsvollsten und am weitesten verbreitet. Bei der parametrischen Konstruktion gibt der Benutzer ein „Programm“ für den Bau des Modells an. Diese Methode kann extrem leistungsfähig sein, macht das Benutzererlebnis aber auch viel komplizierter. Für dieses Verfahren entscheiden sich in der Regel Konstrukteure, die Detailmodellfamilien erstellen sollen oder die die Vorteile eines Modells benötigen, das programmgesteuert geändert werden kann.

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